Geschichten mit Gasthäusern

 

Geschichten mit Zöllnern

Geschichten mit Tieren und Pflanzen

Geschichten mit dem Velo

Geschichten mit Wegen und Wildnis

Geschichten mit übrigen Verkehrsmitteln

Geschichten mit Emotionen

Geschichten mit dem Wetter

Geschichten mit Gott

Geschichten mit Sprachen

Philosophische Fragmente

Geschichten mit Jugis

 

Irgendwie klappte es nicht (6.9.1997)

 

Auf der Skandinavien-Reise mit Patrick Kyburz versuchten wir als einfache Studenden, Hotels zu umgehen, deshalb übernachteten wir auf festem Grund nur in Jugendherbergen. Die Hälfte der Nächte verbrachten wir jedoch in Nachtzügen oder auf Schiffen. Die letzte Nacht dieser Reise wollten wir aber zur Erholung wieder einmal auf einem richtigen Bett verbringen, deshalb nahmen wir uns die Jugi in Fredericia (Dänemark) vor. Doch es kam anders.
Fredericia wurde zu unserer Unglücksstadt, denn es geschahen 13 unschöne Überraschungen: 1.) Der Stadtplan am Bahnhof hatte einen kleinen Massstab und es war weit zu laufen zur Jugi. 2.) An der Strassse, wo die Jugi sein sollte, hatte es keine Häuser. 3.) Wir liefen aus Vertrauen zum Stadtplan in die falsche Richtung. 4.) Von dort zur Jugi war es noch weiter. 5.) Der Stadtplan am Bahnhof war total falsch gewesen. 6.) Die Reception an der Jugi war schon geschlossen. 7.) Der direkte Weg zum Bahnhof hinab war sehr nahe (wäre sehr nahe gewesen). 8.) Es fing an zu regnen (das erste Mal auf dieser Reise) 9.) Das Stadttor, auf dessen Unterstand wir uns gefreut hatten, hatte kein Dach. 10.) Die Kirche, die wir anschauen wollten, hatte keinen Turm. 11.) Das Rathaus, das wir suchten, war so klein und unauffällig, dass wir es übersahen. 12.) Als wir zwei Hamburger zum Nachtessen bestellen wollten, wurde gerade geschlossen (13.folgt noch). Also fuhren wir um 21:33 Uhr mit dem IC nach Høje Taastrup, dort erkannten wir, dass der Zug Richtung Deutschland nicht zur Fähre in Rødby, sondern nur bis Nykøbing fährt am Sonntag (weil es eben plötzlich Sonntag wurde), doch diesen Zug hatte ich 13.) in Fredericia herausgesucht. Und so gab es weder ein Bett noch ein Zugsabteil, sondern, nachdem wir aus den Wartesaal des Bahnhofs geschickt worden waren, den blanken Gitterrost eines Metallbänkchens auf dem Perron.

 

Irgendwie klappte es doch (12.9.1997)

 

Mehr Glück hatte ich mit Matthias Kipfer noch im selben Monat auf der Zugsreise durch Slowenien; wir übernachteten in allen Jugendherbergen, die im September 1997 in jenem Lande in Betrieb waren. Die erste war jene in Ljubljana, in der Hauptstadt. Da ich die Adresse und einen Stadtplan hatte, sah ich kein Problem, sie zu finden. Leider waren die slowenischen Häuser nicht mit Nummern versehen, so dass wir den Platz der Adresse zweimal umrundeten. Durch Abzählen der Häuser kamen wir zu dem Schulhausgebäude, in dem während den Sommerferien Zimmer vermietet wurden, da gerade Wochenende war, machte uns der Abwart eine Ausnahme. In Koper, am Meer, versuchten wir es das nächste Mal, dort hiess es an der Reception, die Jugi sei voll, aber wir sollten mitkommen. Ein paar Häuser weiter wurde uns ein verstecktes Zimmer gezeigt. Die dritte slowenische Jugi befand sich in Bled, in den Bergen, wir waren richtig erstaunt, dass sie weder geschlossen noch besetzt sei und wir trotzdem darin übernachten konnten.

Nineteeneightyfour (29.8.2001)

 

Wer der Polit-Thriller „1984“ von George Orwell gelesen hat, kann sich eine monotone, bürokratische und sozialistische Welt vorstellen, wie sie im Ostblock während des kalten Krieges ausgesehen haben könnte. Eigentlich wollten Vera und ich in der ungarischen Stadt Győr in der Jugi übernachten. Bei der angegebenen Adresse stand aber keine Jugi mehr. Man verwies uns dort auf eine billige Unterkunft bei der Fachhochschule mit der Adresse „K4“. Dort befanden sich gigantische graue Wohnblocks, die von diversen Beamten kontrolliert wurden, deren Aufgabe meist schlichtes Beobachten war. Mit der Zeit begriffen wir, dass dies ein Studentenwohnheim gewesen wäre, das als Unterkunft umfunktioniert worden war, weil gerade ein Grossanlass einer Studentenorganisation stattfand. Am Gebäude waren viele Alterserscheinungen zu erkennen, aber auch Spuren des kommunistischen Apparats. Als wir schliesslich unser zugewiesenes Zimmer in einem der langen Korridore hoch oben im 6. Stockwerk gefunden hatten, waren wir froh, denn es sah alles gleich aus. Wenn wir im Lift miteinander redeten, schauten uns die ungarischen Studenten meistens komisch an oder begannen Sprüche über die Deutschen zu klopfen. Deshalb beschlossen wir, im Lift nur noch französisch miteinander zu kommunizieren. Wir blieben zwei Nächte, doch man hatte uns gesagt, das Zimmer sei nur für die erste Nacht benutzbar, man gebe uns später ein anderes. Am ersten Morgen begann ich die Organisation des Zimmerwechsels beim Schalter am Eingang. Von dort wurde ich zu einem anderen Eingang geschickt, dann in ein Sekretariat im zweiten Stock, dann wieder zurück und so weiter. Nach allen Formalitäten hatte ich sechs Büros betreten, mehrere Formulare ausgefüllt, x-mal unterschrieben und begriffen, dass dieser Ablauf keine Panne war, sondern die Normalprozedur, obwohl ich am Schluss wieder den selben Schlüssel hatte, wie für die vorige Nacht.

 

Geschichten mit Restaurants

 

Noble Wanderer (20.7.1995)

 

Ein einziges Mal kam Vera mit mir auf einen Dreitausender. Es war eine lange Wanderung auf den Piz Nair; für den Abstieg gönnten wir uns dann die Seilbahn nach St.Moritz. Auf dem Zeltplatz von Champfèr hatten wir schon unser Zelt aufgestellt, als es uns dünkte, wir hätten schon lange nichts mehr richtiges gegessen und meinten, so eine einfache nahrhafte Mahlzeit in einem Restaurant liege schon noch im Budget. In Champfèr hatte es ein Restaurant in einem alten Bündner Haus mit dem Namen Jöhri’s Talvo. Es kam uns schon komisch vor, als wir zuerst nach einer Reservation gefragt wurden, und uns beim Absitzen eine Tischkerze angezündet wurde, aber mit einem Nobelrestaurant hatten wir in diesem Bergdorf wirklich nicht gerechnet, sonst wären wir auch nicht mit den verschwitzten Kleidern und den Bergschuhen gekommen. Definitiv nobel wurde es, als ich die Speisekarte las: das Menü hätte 185 Franken gekostet, und das absolut billigste war „Geflügelkraftsuppe mit hauseigenen Ravioli“. Da man uns schon so freundlich empfangen und die Kerze angezündet hatte, konnten wir nicht mehr zurück; deshalb bestellten wir zweimal die Suppe und zwei Eistee, die gleichviel kosteten wie im Gipfelrestaurant, aber wesentlich besser schmeckten. Das erste, was uns aufgetischt wurde, waren sechs Sorten Brot mit wassergekühlter Butter; später kam der „Gruss aus der Küche“: Avocadosalat mit Rauchlachs. Natürlich war für jeden Gang separates Besteck vorhanden. In der Suppe schwammen dann ein paar einsame Ravioli und obwohl Vera bezahlen wollte, musste ich anstandshalber die Note überreichen. Beim Hinausgehen bemerkte ich das warnende „Gault millot“-Schildchen neben der Türe. Wir liefen lachend zum Zelt, wo wir uns noch über Brot und Schokolade hermachten.


Tee für die Post (30.9.2001)

 

In einem anderen Restaurant in den Bergen, galten ganz andere Regeln; es war auch an einem ganz anderen Ort. Auf dem Abstieg von meinem höchsten Berg, dem Chukhung Ri (10 km vom Mount Everest entfernt) kam ich im Sherpa-Dorf Pangboche, gerade an der Waldgrenze auf 4000 m.ü.M. vorbei. Hier betrat ich eine der vielen Gaststätten. In dem einfachen Haus ohne fliessendes Wasser oder elektrischen Strom wollte ich zu Mittag essen. Als die Wirtin erfuhr, dass ich demnächst in die Schweiz zurückreisen würde, bat sie mich um einen Gefallen. Weil sie einen Brief in die Schweiz schicken wollte, aber das nächste Postbüro einen Tagesmarsch entfernt war und weil eine Sendung nach Europa Monate dauern konnte, fragte sie mich, ob ich den Brief mit in die Schweiz nehmen und dort einwerfen könnte. Als Gegenleistung bekam ich einen Liter Tee gratis serviert. Es war dann ein spezielles Gefühl, als Postbote weitere drei Tage durch den Himalaya zum nächsten Flugplatz zu laufen.

 

Geschichten mit Essgewohnheiten

 

Fett (1995-1997)

 

In der Vorbereitung zu meinem ersten Skitourenlager war ich mit dem Problem konfrontiert, den Lunch für fünf Tage mitzunehmen, aber den Rucksack diese Zeit auch auf die Berge tragen zu müssen. Am meisten Kalorien pro Gewicht schien meinen Abklärungen zu Folge Sonnenblumenöl (3800kJ/100g) zu haben, also nahm ich ein PET-Fläschchen davon mit. Leider war es wirklich nicht zu geniessen, deshalb konsumierte ich nur die Hälfte davon. Das Jahr darauf stand ich wieder vor der selben Aufgabenstellung, diesmal nahm ich aber Olivenöl und etwas Aromat mit, so schmeckt es schon einiges besser. Im Lager ging ich dann aber einen guten deal ein: eine Kollegin, die zuviel Esswaren mitgenommen hatte, bot mir an, davon essen zu dürfen, wenn ich ihren 25-kg-Rucksack trage. Im dritten Skitourenlager war ich auch mit 3000kJ/100g zufrieden und nahm deshalb ein Pfund Butter, vermischt mit Zucker mit, das war dann schon fast eine Delikatesse.

 

Proteine (1997)

 

Als ich begann nach Basel zu pendeln, überlegte ich mir, wie ich mich über den Mittag gesund und billig ernähren könnte. Neben den Vitaminen, zu denen ich beim Abendessen kam, dachte ich vor allem an die 57 Gramm Proteine, die ich jeden Tag einnehmen sollte. In der Migros bot sich Magerquark als günstig an, deshalb hatte ich ein Semester lang ein PET-Fläschchen mit Zucker in der Mappe, um den nature Quark zu süssen. Die perfekte Kombination von Kalorienreichtum, Proteingehalt und tiefem Preis fand ich schliesslich in den Erdnüsschen, die seither sowohl im Studien-Mittagessen als auch beim Skitouren-Rast zum festen Bestandteil wurden.

 

Kohlenhydrate (1998)

 

Nach ein paar Semestern in Basel, jenseits des Jura, hatte ich das Bedürfnis nach Abwechslung beim Mittagessen, deshalb erlaubte ich mir auch, vorwiegend kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel zu kaufen, zum Beispiel Biscuits oder andere Backwaren. Die Bedingung war einfach, dass 100 g nicht mehr als einen Franken kosten durften. Nach einiger Zeit kehrte wieder eine gewisse Monotonie ein, also gewöhnte ich mir an, mehr auf die Aktionen zu achten, denn viele Produkte lagen nur mit reduziertem Preis unter der Limite. So kam es, dass meine Kollegen jeweils an meinem Mittagstisch sehen konnten, was in der Migros gerade Aktion war.

 

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