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Geschichten
mit Tieren und Pflanzen |
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Geschichten mit
Tieren
Die treue Ziege
(10.12.2000)
In der Serie der
Veloausflüge mit dem Ziel, sämtliche Gemeinden der Schweiz zu betreten, musste
ich in der Leventina der „Strada alta“ folgen, einem Weg, teils fahrbar, teils
zum Velotragen, der die Dörfer über dem Tal auf der linken Seite des Ticino
verbindet. Nach dem Aufstieg nach Rossura kam wieder ein Stück Wanderweg. Bevor
ich in den Wald kam, schob ich das Velo an einem Holzlattenzaun vorbei, in dem
sich eine kleine Ziege mit den Hörnern den Kopf verfangen hatte. Ich half ihr
natürlich heraus und wollte weiter. Doch das liebe Tier, das ganz alleine war,
fand eine Lücke im Zaun und folgte mir brav nach. Ich wurde es weder mit
freundlichen noch mit rauhen Worten los, und abhauen konnte ich auch nicht,
denn der Weg ging immer noch bergauf. Zudem war es so herzzerreissend, dass ich
mir überlegte, ob es der Kondukteur akzeptieren würde, dass ich mit meinem
Veloverladebillet auf der Heimfahrt eine Ziege anstatt eines Velos in den
Gepäckwagen stellen würde. Aber erstens gehörte das Tier ja jemandem, und zweitens
haben wir zu Hause keinen Platz, deshalb versuchte ich, es mit Schneeballen zu
verscheuchen. Nach 2 km ging es bergab und ich nutzte den Moment, in dem es
gerade abgelenkt war, um ein Stück den Wanderweg hinunter zu fahren und konnte
es so abhängen.
Kobras und Warane
(11.9.2000)
In Indonesien waren
Sascha Pfändler und ich nächtelang zwischen den Vulkanen der Insel Java gegen
Osten durchgereist, um an den sagenumwobenen Strand von Plengkung zu gelangen,
an dem permanent 5-7 m hohe Wellen branden. Das Hinterland des 30 km langen
Strandes ist ein Nationalpark, ein Regenwald mit allem, was die Wildnis der
Tropen in sich hat. Von unserem Bungalow, der noch knapp per Taxi erreichbar
war, liefen wir drei Stunden dem Strand entlang nach Plenkung, teils im Sand, teils
auf dem Pfad im Wald. Bei den Wellen hatte es ein Bänkchen im Schatten eines
Baumes, von wo man die surfenden Amerikaner gut beobachten konnte. Ich ging
noch etwas weiter, um den südlichsten und östlichsten Punkt meiner bisherigen
Reisen noch etwas hinauszuschieben. Als ich zurückkam, sass Sascha nicht mehr
auf der Bank, sondern etwas daneben, da setzte ich mich eben auf die Bank. Als
ich erfuhr, dass gestern schon ein Amerikaner auf der Bank gesessen hatte und
plötzlich eine Kobra vom Baum gefallen war, verging keine Sekunde und ich hatte
den Platz auch gewechselt. Auf dem Rückweg ging Sascha voraus; wir erschraken
lediglich, als es ein paar Meter vor ihm raschelte und ein 2 Meter langer Waran
(Riesenechse) verschwand. Erst später las ich Geschichten über Angriffe dieser
kleinen Saurier auf Menschen.
Nachtleben im Val
Grande (7.10.1999)
Ich finde wilde
Tiere im Wald etwas Spannendes, aber wenn man schlafen will und die Tiere dein
Zelt etwas Spannendes finden, dann ist das schon fast unheimlich. Besonders,
wenn man in einem italienischen Nationalpark ist, von dem man nicht weiss,
wieviele Wölfe darin leben, und wenn dauernd eine Eule heult und es rundherum
raschelt. Der Höhepunkt der Spannung bewirkte das Schnauben eines grösseren
Tieres, das immer näher kam, bis das Unbekannte über eine Zeltschnur stolperte
und herumröhrte. Wahrscheindlich handelte es sich um einen Hirsch.
Ameisen im Winter
(6.12.2001)
Mit dem Engagement
den Einstiegsteil der Abendprogramms der Bibelgruppe für Studierende Basel zu
leiten, überlegte ich mir ein Gleichnis. Ich wollte verdeutlichen, dass
Menschen, die nicht nur den Weg des geringsten Widerstandes gehen, freier sind.
Dazu plante ich ein Relief mitzunehmen und den Weg einer Murmel auf dem Relief
mit dem Weg einer Ameise auf dem Reliefs zu demonstrieren. Die Murmel geht
nämlich einen ganz bestimmten Weg – die Falllinie, sie hat keine andere
Möglichkeit. Eine Ameise hingegen wagt es auch hinauf zu laufen und kann sich
so frei auf der Modell-Landschaft bewegen. Dazu brauchte ich nun eine Ameise.
Zu meiner Überrraschung fand ich aber keine im Garten, da es Winter war. Noch
vor dem Bibelgruppe-Abend fuhr ich sowieso ins Tessin um Kastatnien zu sammlen,
dabei suchte ich dann auch nochmals nach Ameisen oder anderen Insekten im
Waldboden; aber ich fand kein einziges Exemplar. Das Gleichnis brachte ich
trotzdem; ich forderte das Publikum einfach auf, sich eine Ameise auf dem
Relief vorzustellen. Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass es sowieso etwa
widersprüchlich gewesen wäre, wenn ich Freiheit demonstriere mit einer Ameise,
die ich vom Tessin nach Basel gefangen gehalten hätte.
Ameisen auf
Luftmatrazen (21.8.2001 und 24.7.2002)
Beim Zelten
bevorzuge ich eine Luftmatraze als Unterlage, das sie meines Erachtens
leichter, bequemer und meistens auch billiger sind als übliche „Mätteli“. So
nahmen mein Vera und ich häufig zwei Luftmatrazen mit in den Camping-Urlaub.
Dummerweise haben nicht immer beide Luftmatrazen Platz im Zelt. Ein spezieller
Fall war es auch auf dem Camping-Platz Andeer, wo meine Luftmatraze schon in
der ersten Nacht ein Loch hatte. Ihre war aber so gross, dass sie unter dem
Zelt hervorquellte. Im nächsten Sommer nahm sie eine noch grössere Luftmatraze
mit, wir hatte auch ein grösseres Zelt dabei. Bereits am zweiten Tag bemerkten
wir, dass diverse Ameisenstrassen sich vom ganzen Zeltplatz her auf unser Zelt
hin zentrierten, obwohl wir peindlich genau darauf geachtet hatten, keine
Nahrungsmittel herumliegen zu lassen. Beim genaueren Hinschauen fanden wir
heraus, dass die Ameisen nur wegen Veras Luftmatraze kamen. Diese bestand aus
einem Stoff mit feinen Häärchen; die Ameisen kamen, bissen die Häärchen ab und
nahmen sie mit. Unser biologisches Verständnis reichte nicht aus, diese
Vorliebe der Ameisen zu erklären.
Schafe auf 3000 m
(25.7.1995)
Ein andermal, als
ich mit Simon Scherrer zeltete, wollten wir einen Höhenrekord aufstellen und
zelteten auf 3050 m.ü.M. unter dem Gipfel des Unterrothorns bei Zermatt. Die
Konsequenzen davon waren, dass wir fast nichts schliefen und dass Simon am Tag
darauf die Höhenkrankheit bekam. Weil auf der Karte an jenem Ort „Vegetation“
eingezeichnet war, hatten wir auch keine Unterlagsmatten mitgenommen, doch das
bisschen Gras liess uns die Steine kräftig spüren. Auf der Liste der möglichen
Gefahren, die uns am Abend in den Sinn gekommen waren, standen zwar diverse
gesuchte Befürchtungen: Die Schafe, die etwas weiter unten grasten, könnten uns
überfallen. Der Koch des Restaurants auf dem Unterrothorn könnte uns angreifen.
Oder das Gewitter, das um das Matterhorn kreiste, könnte einen Abstecher
machen. Nur an die Steine im Untergrund hatten wir nicht gedacht.
Rentiere auf 0 Meter
(24.6.2001)
Dass sich nicht ich
vor einer Herde, sondern eine Herde vor mir fürchtete, passierte mir auf einem
Ausflug in Norwegen. An einem einsamen Fjord lief ich der Küste entlang, als
ich einer grossen Herde von Rentieren begegnete. Die Tiere wichen mir aus,
indem sie einfach dem Ufer nach vorausliefen. Ich werde sie noch kilometerweit
treiben, dachte ich, wenn das so weitergeht, doch ich sah, dass bald ein
reissender Fluss den Küstenstreifen unterbrechen würde. Das änderte aber nichts,
denn die Hunderten von Rentieren liefen ohne Richtungsänderung neben der Brücke
durch das kalte Wasser. Wenn ich still stand, standen sie auch still, wenn ich
etwas höher oben lief, folgten sie dennoch dem Ufer entlang. Schlussendlich
beschloss ich meine Planung zu ändern und lief nicht mehr weiter zum Velo
zurück, sondern stieg zu einem Gipfel auf. So bekam ich eine tolles Panorama zu
sehen und musste keine Rentiere entführen.
Eisbären-Spektakel
(1.8.2001 und 19.8.2001)
Der August 2001
wendete meine Rolle vom Gaffer zum Begafften. Als ich in Spitsbergen in den
Ferien war, nahm ich an einem Bootsauflug zur russischen Kohlemine Barentsburg
teil. Ebenfalls Ziel dieser Fahrt war ein Gletscher auf der anderen Seite des
Isfjord. Bei diesem Gletscher erhoffte man sich, einen Eisbären in freier Natur
sehen zu können. Die Stimmung unter den Touristen war unter grosser Spannung,
als wir in die Gletscherbucht einfuhren. Nach langem stillen Suchen rief dann
jemand „Bjørnen! Bjørnen!“ und alle 50 Norweger und drei Schweizer lehnten ans
Reling um zu fotographieren und filmen. Wie sich der unschuldige Eisbär, der
gerade dabei war eine Robbe an Land zu ziehen und zu verzehren, vorgekommen
sein muss, wurde mir erst gegen Ende jenes Monats bewusst. Am 19. August war
ich auf dem prächtigen Berg Jungfrau. Als wir nach dem Abstieg zum Junfraujoch
kamen, traf unsere Seilschaft als erste auf der Aussichtsplattform, der durch
einen Tunnel von der Bahnstation Jungfraujoch erreichbar ist, ein. Ohne dass
wir es ahnten, war scheinbar schon eine ganze Horde Japaner gierig auf unsere
Auskunft, denn sie fotographieren los, sobald wir in Reichweite waren. Als wir
dann über die Abschrankung in die Plattform stiegen um zur Station zu laufen,
stellten sie sich sogar neben uns um mit einem „echten, lebendigen Bergsteiger“
zusammen auf einem Foto zu erscheinen.
Im Lande der Bären
(15.9.1997)
Zwei Zöllner waren
die einzigen, mit denen Matthias Kipfer und ich in Sešana in Kontakt kamen und
das war auch besser so. Auf unserer Slowenien-Zugreise hatten wir in jener
Kleinstadt nahe der italienischen Grenze etwas Aufenthalt; als wir die
Hauptstrasse überquerten mussten wir den Pass (oder die ID) zeigen. Wir wollten
auf einen Karsthügel steigen, weil es uns wunder nahm, ob man von dort auf die
Adria sehen könnte. Während dem Aufstieg durch den Buschwald machten wir noch
Witze über die Bären, die ja in Slowenien leben sollten, aber wir waren ja am
Rande der Stadt, und auf der anderen Seite des Hügels wurde gerade an einer
Autobahn gebaut. Wir bemerkten, dass die Autobahn den Hügel nicht ganz
durchschneidet, sondern noch ein kurzer Tunnel gebaut worden war. Weil es uns
merkwürdig vorkam, liefen wir über den Tunnel und kehrten zum Bahnhof zurück,
wobei wir keine Ahnung hatten, in welchem Land wir nun waren. Monate später
zeigte mir Matthias einen Zeitungsartikel, der von der Eröffnung der neuen
Autobahn Ljubljana-Trieste berichtete, und dass man bei Sešana einen Tunnel als
Naturbrücke konstruiert hatte, damit die Bären darüber laufen können.
Hamsternde Spatzen (13.9.1997)
Auf der selben Reise
war ich mit Matthias Kipfer auf dem Burghügel von Ljubljana. Wir sahen von dort
einen See in einem Park, und meinten beide, die Wasseroberfläche des kleinen
Sees sei schräg. Deshalb gingen wir dorthin um es nachzuprüfen. Der See war zu
unserer Enttäuschung flach, dennoch setzten wir uns dort auf ein Bänkchen und
assen Waffeln. Wegen der Brosamen kamen bald einige Spatzen und wir testeten,
wie grosse Waffelnstücke die Spatzen auf einmal mitnehmen könnten. Das Resultat
war amüsierend; bei einer halben Waffel packten die Vögel das Stück, flogen
etwa 30 cm hoch in die Luft und stürzten dann wieder ab. Und das wiederholten
sie solange, bis sie entweder ins Wasser fielen oder genügend Abstand zu ihren
Konkurrenten hatten.
Die passende Forelle
(10.9.2001)
Das Thema einer
Velotour war es, möglichst der Luftlinie nach von der Schweiz nach Slowenien zu
fahren. Als wir dann in Kranjska Gora Slowenien erreichten, ging dieses alte
Projekt von Matthias Kipfer und mir in Erfüllung, obwohl wir kurz vor der
Grenze noch das Problem hatten, dass die stillgelegte und zum Veloweg umgebaute
Eisenbahnlinie, die wir auf der Karte entdeckt hatten und benutzen wollten,
keinen Asphalt, sondern die alten Eisenbahnschwellen als Belag hatte. Doch
wohin sollten wir nun, da wir unser Ziel erreicht hatten? Damit es uns nicht
langweilig würde, beschlossen wir, über den Vršic, den höchsten Pass
Sloweniens, zu fahren und dort von der Quelle an, dem Fluss Soca bis zur
Mündung ins Meer zu folgen. Dieses zweite Thema der Velotour brachte uns eine
lange Abfahrt durch das schöne Soca-Tal. Kurz vor der Mündung übernachteten wir
noch in Nova Gorica. Als wir in der ganzen Stadt zwar über 50 Bars gefunden
hatten, aber kein einziges Restaurant, kehrten wir enttäuscht zum Hotel zurück,
um dort zu essen. Das billige Menü konnten wir nicht mehr bestellen, da es
schon zu spät war. Dafür fanden wir auf der Speisekarte den Begriff
„Soca-Forelle“. Weil wir uns den ganzen Tag so sehr mit dem Fluss identifiziert
hatten, schmeckte dieser zum Thema passende Fisch besonders gut.
Der Everst-Hund
(27.9.2001)
Auf meinem Trekking
zum Mount Everest wanderte ich bis zur letzten Hütte vor dem höchsten Berg der
Welt und übernachtete dort. Am nächsten Morgen stieg ich von dort wieder ab,
dabei begleitete mich plötzlich ein zerzauster Hund. Ich dachte, er gehöre zur
Hütte und schickte ihn zurück. Doch er folgte mir treu. Bei der dünnen Luft
hatte ich keine Lust mit dem Hund nochmals zur Hütte zurückzukehren, deshalb
wanderte ich weiter talwärts um ihn dann an anfsteigende Bergwanderer zu
übergeben. Als ich eine Gruppe von Sherpa-Trägern kreuzte, sprach ich sie an
und bat sie, den Hund zur Hütte hinauf zu begleiten. Sie lachten aber und
sagten, dieser Hund gehöre nicht zur Hütte, er gehöre niemanden und begleite
seit Jahren die Bergwanderer, die in diesem Tal auf und ab steigen. So hatte
ich die Ehre vom offiziellen Trekking-Hund ein Stück begleitet zu werden.
Ungefähr bei der 5000 m-Höhenkurve verlor ich ihn aus den Augen; es hatte noch
andere Wanderer, die zu begleiten waren.
Das purzelnde Rind
(22.7.2003)
In meinem
Zivildienst bei einem Bergbauern im Goms war ich unter anderem auch mit den
Rindern auf der Alp beschäftigt, denen ich ab und zu Salz brachte und ihren
Zustand kontrollierte. Einmal lief ich mit dem Praktikanten des Hofes zur Alp
hinauf, ein Rind fanden wir aber schon unterhalb der Alp im Bach liegen. Es
hatte ein abgeknicktes Horn und war ziemlich verwirrt, man sah auch anhand der
Spuren im Gras, dass es in einem steilen Hang ausgerutscht und
heruntergeglitten sein musste. Wir machten uns Sorgen und telefonierten mit dem
Bauern. Auf dessen Anweisung führten wir das Rind zur Herde hinauf. Nach
geraumer Zeit machte es wieder einen fitten Eindruck und wir machten uns auf
den Abstieg. Kaum waren wir losgelaufen, sah ich gerade noch, wie das selbe
Rind, das am Rand einer Grasterasse stand, einfach kippte und wieder in den
Bach purzelt. Diesmal konnten wir es
nicht mehr auf die Beine bringen, da es zu schwach war. Ich leitete dann den
Bach so um, dass es auf dem Trockenen lag. Am nächsten Tag ging der Bauer mit
Kraftfutter auf die Alp und versorgte das Rind soweit, dass es sich erholte.
Geschichte mit
Pflanzen
Hochzeitszwiebeln (Juni 2004)
Von meiner Kindheit an war ich mir
gewohnt ein Gemüsebeet zur Verfügung zu haben. In Rheinfelden wohnte ich dann
erstmals in einer Blockwohnung. Vera und ich hatte aber die Idee, in den
Blumenkisten auf dem Balkongeländer anstatt Blumen Gemüse anzuplanzen, sowieso
boten sich die alten Zwiebeln, die im Kühlschrank ausgeschlagen hatte, an.
Sechs grosse Zwiebelblüten wuchsen so im Juni 2004 empor und wir mochten sie.
Speziell gerührt waren wir, als sich die Zwiebelstängel zu unserer Hochzeit zu
drei Päärchen gruppiert hatten.