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Geschichten
mit übrigen Verkehrsmitteln |
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Geschichten mit
Eisenbahnen
Der versteckte Belgier
(18.4.1997)
In Nachtzügen
kann man allerhand Sachen erleben. Um im Tessin für einen Tag ein Lager im
Bergdorf Rasa zu besuchen stieg ich um zwei Uhr nachts in Basel in den Zug
Brüssel-Mailand, der dann ohne Halt nach Bellinzona fuhr. In einem
Sechserabteil war niemand drin, nur ein Belgier stand vor der Abteiltür,
da setzte ich mich auf den Sitz an der Türe und streckte die Beine. Der
„Türsteher“ machte irgendwie einen angespannten Eindruck. Bald
einmal kam dann der Zöllner und Kontrolleur, und wir zeigten die
gültigen Ausweise. Ich döste weiter vor mich hin, bis der Belgier ins
Abteil wollte ich aufwachte, weil ich die Beine anziehen musste. Da war auf
einmal ein zweiter Belgier da, der sass im Abteil am Fenster. Der zweite war
also so lautlos und unmerklich unter dem Sitz hervorgekrochen, dass ich es
nicht bemerkt hatte.
Zugreise mit Gletscher (2.10.2003)
Eigentlich war ich mit Matthias
Kipfer auf einer Zugsreise. Wir wollten in vier Tagen die schönsten
Eisenbahnlinien Italiens abfahren. Von Domodossola bis Reggio di Calabria sahen
wir viele schöne Landschaften. Auf dem Rückweg fuhren wir ins
Aostatal und hatten plötzlich ganz interessante Ideen. Wir entschieden uns,
mit dem Bus nach Breuil am Matterhorn zu fahren und die Luftseilbahn auf den
Theodulpass zu nehmen, so könnten wir es über Zermatt noch nach Hause
schaffen. Dummerweise fuhr die Luftseilbahn zu dieser Jahreszeit nicht. Weil es
ein schöner Herbsttag war und ich den Theodulpass kannte, entschlossen wir
uns, zu Fuss in die Schweiz zurückzukehren. Die 1300 m Aufstieg hatten wir
schnell, leider hatte es oben auf 3301m.ü.M etwas Neuschnee. Wegen der
südländischen Zugreise hatten wir beide nur die Halbschuhe dabei, er
nicht einmal eine Jacke. Schon gegen Abend liefen wir dann den Skispuren
entlang über den Gletscher. Kurz vor Zermatt trafen wir einen Bauern mit
einem kleinen Traktor, der nahm uns noch ein Stück mit. Doch leider
verpassten wir dennoch um wenige Minuten die letzte Zugsverbindung in die
Nordschweiz. So mussten wir in Brig übernachten. Dass die Zugreise jedoch
mit dem Spaziergang zwischen Matterhorn und Monte Rosa ein so eindrucksvolles
Ende genommen hatte, entschädigte alles.
Der falsche Tunnel
(17.3.2000)
Simon und ich
wollten ausprobieren, ob es möglich ist, mit dem Zug innerhalb 24 Stunden
durch alle 26 Kantonshauptorte der Schweiz zu fahren. Nach dem Kursbuch sollte
es reichen, doch man sollte die Theorie auch experimentell belegen. Damit wir
die Nacht durch auch unterwegs wären, mussten wir den selben Nachtzug, wie
in der vorletzten Geschichte erwähnt, benutzen. Dieser fährt sowieso
durch Aarau, Schwyz, Altdorf und Bellinzona. Aber fährt er wirklich durch
Aarau? Weil er von Basel bis Bellinzona nie hält, kann man aus dem
Fahrplan nicht herauslesen, welche Route er fährt. Die sieben Male, die
ich diesen Nachtzug schon gefahren war, hatte er viermal den Jura durch den
Hauensteintunnel durchquert (also über Aarau) und dreimal den
Bözbergtunnel. Zur Sicherheit fragte ich vorher beim telefonischen
Auskunftsservice der SBB nach, welche Route denn geplant sei. Ich rechnete
damit, man könnte mich als Terrorist verdächtigen, der einen Anschlag
auf den Zug plant, aber die Befragte hatte lediglich den Verdacht, ich wolle in
Aarau abspringen. Sie versicherte mir, dass der Zug in dieser Nacht über
Aarau fahren werde und so unser Vorhaben möglich sei. Irgendwie war ich
der Sache schon nicht ganz sicher;
deshalb nahmen wir
uns vor, sobald wir im Zug seien sofort einzuschlafen, damit wir es gar nicht
überprüfen könnten und dann gälte natürlich die
Auskunft der SBB. In Basel hatten wir nach den ersten 10 Kantonshauptorten
anderthalb Stunden Aufenthalt vor dem Nachtzug. Um nicht auf dem Perron zu
warten, liefen wir in ein nahes Quartier und ich klingelte um halb ein Uhr bei
einer Bekannten. Wir bekamen dort sogar noch etwas zu essen. Weniger Glück
hatten wir im Zug, denn wer kann schon einfach sofort einschlafen, ohne sicher
zu sein, wo der Zug genau durchfährt. Die Augen zu schliessen half nichts,
denn wenn man weiss, dass der Hauensteintunnel nach 18 Minuten kommt, der
Bözberg hingegen erst nach 35, dann hat man nach einer halben Stunde
ohnehin die Gewissheit, wo man ist. Die Tragik dieser Geschichte ist also die,
dass wir es fertig gebracht hatten, in 24 Stunden durch die Hauptorte aller
Schweizer Kantone zu fahren ausser der unseres geliebten Aargaus.
Geschichten mit
Autostopp
Einsteigen
obligatorisch (18.7.2004)
Mitten im Atlantik
liegt die Inselgruppe der Azoren. Besonders auf den kleineren Inseln hat es
wenig öffentliche Verkehrsmittel, deshalb ist es üblich mit Autostopp
zu fahren. Vera und ich machten insgesamt 13 mal Autostopp auf unserer
Azoren-Reise. Auf der kleinsten Insel, Corvo, gab es nur eine Ortschaft und nur
eine Strasse, letztere führte zum Kraterrand hinauf. Als wir auf Corvo
waren, waren wir gerade die einzigen Touristen, und von den wenigen Einwohnern
wussten bald alle, wer wir sind. Dies merkten wir, als wir zum Krater hinauf
laufen wollten. Kurz vor dem Ziel wurden wir von einem Pick-up überholt,
der zwar schon mit einer portugiesischen Grossfamilie gefüllt war, doch
wir wurden genötigt, auch noch einzusteigen. Etliche Stunden später
liefen wir dann wieder hinab. Prompt hielt wieder ein vorbeifahrendes Auto an.
Ohne Worte warteten die Fahrer, bis wir eingestiegen waren. Erstaunlicherweise
hielten sie, wiederum wortlos, genau dort an, wo es zu unserem Gästezimmer
ging.
Der neue Tunnel
(16.7.2005)
Auf einer
nebelreichen Wanderung auf den Färöer-Inseln folgten Vera und ich
einer kleinen Strasse, die der Südküste der Insel Vágar
folgte. Alle Karten und Reiseführer besagten, dass die Strasse zum
zweitwestlichsten Dorf der Insel und noch 3 km darüber hinaus führen
würde. Das westlichste Dorf, Gásadalur, mit 15 Einwohnern sei aber
nur per Helikopter erreichbar. Wir waren erstaunt, dass uns nach dem
zweitwestlichsten Dorf immer noch so viele Autos überholten und lange
nicht zurückkamen. Dort wo auf der Karte eigentlich das Strassenende
eingezeichnet war, fanden wir eine Baustelle. Ein Lastwagen hielt an und wir
fragten, ob es nun einen Tunnel nach Gásadalur gebe und ob er schon
begehbar sei. Er meinte ja, aber wir sollten doch einsteigen, er fahre auch
gerade durch den Tunnel. Die Durchfahrt ins Unbekannte war spannend. In
Gásadalur war ziemlich viel Betrieb. Den Rückweg wollten wir dann
zu Fuss unternehmen. Interessanterweise war der Hinweis, dass der Tunnel im
Rohbau auf eigenes Risiko befahren werden kann, nur auf der
Gásadalur-Seite auf englisch ausgeschildert. Mit der Taschenlampe wichen
wir den Pfützen und den tropfenden Stellen aus und liessen die Autos und
auch den Extra-Bus überholen. Wir vermuten, dass seit dem Durchbruch des
Tunnels jeder Einwohner der Färöer die neue Strasse und das neu erschlossene
Dorf besichtigen wollte.
Geschichten mit
Fähren
Welcome to Ireland
(10.3.1998)
Das Erleben einer
Fährfahrt hängt ganz von den Wellen ab. Auf der irischen See von
Wales nach Dublin kam es einem vor wie auf einer Berg- und Talfahrt. Wenn man
ganz vorne stand, konnte man beim Vorkippen des Schiffs für ein paar
Sekunden die Schwerelosigkeit fühlen. Beim Anlegen in Dublin freute ich
mich darauf, mit Irland mein letztes westeuropäisches Land betreten zu
können. Dies wollte ich beim Verlassen des Dockgebäudes feiern und folgte
beim Ausgang der Türanschrift „press to open“. Als
Wilkommensgruss schellte mir dann aber die Alarmglocke entgegen, scheinbar war
das der Notausgang. Die Behörden machten keinen Umtrieb deswegen, er war
ja auch in Südirland; in Nordirland hingegen richteten die Soldaten auf
dem Panzerwagen gleich das Maschinengewehr auf Simon, als er den Fotoapparat
hervornahm.
Streik-Odyssee (20.3.1998)
Als ich auf jener
Reise mit Simon Scherrer wieder aufs Festland zurück kehren wollte, wurde uns
in Dover ein Problem erklärt. Nämlich dass alle französischen
Hafenarbeiter streikten und in den nächsten Tagen keine Fähre
rüberfahre. Es gab dann aber eine Sonderfahrt nach Belgien, die
fünfmal länger dauerte. Die Fähre fuhr nicht einmal gerade aus, weil
das Meer keine 10 Meter tief war. In Zeebrugge war sich der Kapitän nicht
sicher, ob die Fähre überhaupt Platz habe im Hafen. Doch nach
stundenlangem Manövrieren konnten wir endlich aussteigen, wenn auch in
einer Stadt, die wir vorher nicht einmal gekannt hatten.
Und täglich grüsst die
Smyril-Line (6.-18.7.2005)
Die Smyril-Line ist die einzige
Schiffsverbindung auf die Färöer-Inseln. Mit dieser grossen
Fähre reisten Vera und ich während 13 Stunden über den Atlantik
von den Shetland-Inseln zu den Färöern. Während wir in der
Hafenstadt Tórshavn stationiert waren fuhr das Schiff unterdessen nach
Island weiter und zurück, so sahen wir es wieder und freuten uns, das
tiefe Brummen der Motoren-Geräusche und die mächtige Fassade der
neunstöckigen Fähre wiederzusehen. Auch nachdem die Smyril-Line nach
Dänemark und zurück gefahren war, fanden wir „unser“
Schiff wieder in Torshavn vor. Weil wir dann an andere Orte auf den
Färöern reisten, glaubten wir das Schiff nicht mehr wieder zu sehen.
Zwei Tage später führte uns unser Helikopterflug überraschend
nach Tórshavn, genau auf die Zeit, als die Smyril-Line auch eintraf. Am
18. Juli hätten wir eigentlich schon wieder in der Schweiz sein sollen,
aber wegen Bodennebel wurde unser Rückflug lange verschoben. Die Fluggesellschaft
quartierte uns für die zusätzliche Nacht in einem Hotel in
Tórshavn ein, und was hörten wir am nächsten Morgen durch das
Fenster? Das tiefe Brummen der Smyril-Line.
Geschichten mit dem
Kickboard
Reibung erwärmt
(10.10.2000)
Vor der Heimreise aus
Indonesien kaufte ich noch gross ein, denn erstens hatte ich noch nicht 20 kg
Fluggepäck und zweitens war alles fünfmal billiger als in der
Schweiz. So kaufte ich mir, obwohl es gerade Trend war, ein Kickboard (Micro-Trottinette).
Das erste Mal, dass ich es ausprobierte, war im Konfirmandenlager, das ich das
7.Mal mitleitete, und zwar auf den vier Kilometern von Saas Grund nach Saas
Balen hinab. Kurz vor dem Ziel liefen die Räder nicht mehr rund; da merkte
ich, dass sie heiss gelaufen waren. Der indonesische Kunststoff war zu weich
und erwärmte sich durch die innere Reibung. Na ja, dachte ich, als ich
zwei Tage später mit dem Kickboard in Saas Fee war, wenn es regnet, wird
das Wasser die Räder kühlen. Doch in der Hälfte der 250 Meter
Höhendifferenz zerfloss das Hinterrad und hörte auf sich zu drehen;
ich konnte mich aber aus der Schussfahrt auffangen und beschloss
Hartkunststoffräder zu besorgen.
Reibung nützt ab
(30.12.2000)
Neben den Skis hatte
ich auch das Kickboard ins Kirchenskilager 2000/01 mitgenommen, denn ich kannte
die Neigung zum Schneemangel im Val d’Hérens. Weil Vera erst
später nachreiste, und der Bus nur dreimal pro Tag nach Sion hinunter
fuhr, war es ideal, die 1000 m Höhendifferenz nach Sion mit dem Kickboard
hinunter zu fahren und ihr per Zug bis Lausanne entgegen zu gehen. Im oberen
Teil hatte es noch Schnee am Strassenrand, der geeignet war zum Bremsen. Durch
das Bremsen mit dem Treteisen am Hinterrad begann das Rädchen bald einmal
zu dampfen und es wurde dadurch auch abgewetzt. Als es steiler wurde, hielt ich
auf langen Strecken den rechten Schuh auf den Boden, was zur Folge hatte, dass
das Profil am rechten Schuh nach der Fahrt um zwei Millimeter dünner war
als am Linken. In Sion kam ich viel zu früh an, deshalb wollte ich in Martigny
einen Stopp einlegen und das berühmte Museum Fondation Pierre Gianadda
besuchen. Ein Hindernis, mich unter die noble Gesellschaft zu mischen, stellten
plötzlich meine Schuhe und meine Hosen dar, die von der nassen Strasse
total verspritzt waren. Zwischen Sion und Martigny war ich in der Zugstoilette
fleissig damit beschäftigt, mich zu reinigen, und ich konnte den Staub
zumindest gleichmässig verteilen, so dass der Schmutz nicht mehr auffiel.
Übrige
Geschichten
Der günstige Helikopter
(13.7.2005)
Auf den Färöer-Inseln
haben Vera und ich herausgefunden, dass das Fliegen mit dem Helikopter als
Transportmittel ziemlich günstig ist. Weil wir noch nie mit einem
Helikopter geflogen waren, buchten wir einen Flug von Svinoy nach Klaksvik, ein
Flug von 10 Minuten. An jenem Tag
reisten wir mit dem Schiff zur Insel Svinoy (56 Einwohner). Aus der kleinen
holzigen Fähre stiegen zwei Menschen aus (wir), dafür wurden zwei
Kälber eingeladen. Nach einem Spaziergang auf der Insel warteten wir beim
Helikopter-Landeplatz. Der Bretterschuppen wurde bald von einer alten
einheimischen Frau ohne Englischkenntnissen geöffnet. Später kam ein
Fax an und uns wurde erklärt, dass der Helikopter wegen zu starkem Wind
nicht in Klaksvik landen könne. Wir wurden auch gefragt, ob wir deshalb mit
dem Schiff, das drei Stunden später fuhr, nach Klaksvik fahren
möchten. Ich fragte aber zurück, wo der Helikopter denn stattdessen
hinfliege. In die Hauptstadt Tórshavn war die Antwort. Das war uns auch
recht. Der Helikopter nahm uns mit, flog zuerst noch zu einer noch entfernteren
Insel und dann quer über die ganze Inselgruppe nach Tórshavn. So
hatten wir einen schönen, 40-minütigen Linienflug per Helikopter zu
einem tieferen Preis als das Busbillet für die selbe Strecke.
Rückreise von der falschen Seite
(22.3.1998, 19.7.2002, 1.6.2003)
Schon oft ist es mir passiert,
dass ich von einer Reise in die Schweiz zurückkehrte, aber schlussendlich
von der entgegengesetzten Himmelsrichtung. Nach der Grossbritannien-Reise 1998
waren Simon Scherrer und ich noch in Luxemburg und hatten einen Nachtzug, der
um halb zwei Uhr in Basel angekommen wäre. Deshalb zogen wir es vor, bis
Lugano liegen zu bleiben und mit dem ersten Zug von dort nach Hause zurück
zu fahren, so konnten wir wenigstens genug schlafen. Mit Matthias Kipfer war
ich 2002 in der tschechischen Republik um schöne Eisenbahnlinien zu
befahren. Auf dem Heimweg sahen wir in Wien, dass wir noch Zeit hatten und
reisten ins Südtirol (also Italien), um von dort via Brennerpass in die
Schweiz heimzufahren. Das einzige Mal dass ich gemäss Planung von der
falschen Seite zurückkam, war beim Aus-Flug, den ich mit Matthias Kipfer
umsetzte. Wir nutzen die billigen Preise der neuen Billigflieger aus und flogen
zum Vergnügen kreuz und quer durch Grossbritannien, den letzten Flug
buchten wir aber nach Bergamo, damit wir noch die Alpen von oben sehen konnten.