Geschichten mit Wegen und Wildnis

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Geschichten mit Gott

Geschichten mit Gasthäusern

Philosophische Fragmente

 

Tannenleiter (2.6.2000)

 

Im Jahr 2000 wollte ich unbedingt auf den Piz die Renten, weil dessen Höhe genau 2000 m.ü.M. beträgt. Nach langem Studieren der Karte schien ich die einfachste Aufstiegsroute gefunden zu haben, denn der Gipfel war sehr steil und felsig. Ein senkrechtes Felsband von fünf Meter klettern war das Minimum an Kletterei, weil ich aber keine Ausrüstung dabei hatte und das Gestein glitschig war, hätte ich fast aufgegeben, wenn da nicht eine Tanne neben den Felsen gestanden hätte. An der Tanne konnte ich locker die fünf Meter hinaufklettern, und da sie so nahe am Felsen stand, konnte ich mit einem Schritt auf den Berg rüber springen. Frustriert war ich dann erst auf dem Gipfel, als ich Schafe antraf, und weil ein Wanderweg von der anderen Seite heraufführte.

 

Eus, das Land in dem Cola und Panaché fliesst (9.8.2002)

 

Eus ist eine Alp im Tessin. Seit ich sie auf der Landkarte gesehen habe, finde ich sie eine der schönstgelegensten Alpen. Im Survival-Trekking-Lager, welches ich im Sommer 2002 mitleitete, waren wir ganz in der Nähe und ich schlug vor mit einigen Freiwilligen diese Alp zu besuchen. Am Abend zuvor lagerten wir auf der Alp Pincascia, ein warmer Abend, das Gewitterrisiko relativ hoch. Deshalb riet ich allen Teilnehmern, in einem Zelt zu schlafen, doch die meisten zogen es der warmen Luft und der Romantik wegen vor, unter freiem Himmel zu übernachten. Nachts um drei Uhr jedoch setzte der Regen schlagartig ein. Deshalb waren viele am nächsten Morgen schlecht für ein weiteres Abenteuer zu motivieren. Umso mehr musste ich argumentieren und werben; so nannte ich Eus ein „Land in dem Milch und Honig fliesst“, mit fabelhafter Aussicht und einem spannenden Weg dorthin. Zu acht machten wir uns dann auf. Der Weg nach Eus war noch etwas mehr als spannend, er existierte fast nicht mehr. Die Aussicht war eingenebelt; aber das mit dem Milch und Honig hatte es an sich. Wir erschöpften jungen Leute, die seit sechs Tagen auf Überlebenslager in der Wildnis der Tessiner Seitentäler herum zogen, wurden von der Familie, die zu dieser Zeit in einem Rustico in Eus die Ferien verbrachte, sofort zu Salami, Brot, Cola und Panaché eingeladen. So nannten wir diese Alp im Abstieg das „Land, in dem Cola und Panaché fliesst“. Wir trauten unseren Augen nicht, als uns bei der nächsten Alp ein kleines Mädchen entgegenkam, um uns Schokolade zu bringen.

 

Die Rebschere im Val Grande (4.7.2002)

 

Aus Erfahrung nahm ich eine Rebschere mit ins Val Grande, denn die Wege sind dort oft überwuchert, im Frühsommer oft mit Brombeeren und jungen Zweigen. In der Wildnis des Val Grande fanden wir in der Tat unsere Route nur knapp. Weil sich aber das Wetter ungünstig entwickelte, weil uns das steile Gelände verlangsamte und weil wir den Einstieg in die Hauptschlucht nicht fanden, gelangten wir jedoch gar nicht in richtig dichtes Gestrüpp. So musste ich die Rebschere kein einziges Mal hervornehmen. Als ich aber nach der Heimreise am Bahnhof mein Velo aufschliessen wollte, hatte der Rost mein Kombinationsschloss derart blockiert, dass ich die Zahlen nicht mehr verstellen konnte. Dann war ich doch noch froh, dass ich die Rebschere dabei hatte, denn damit konnte ich das Schloss aufschneiden und nach Hause fahren.

 

Zehn Stunden für zwei Kilometer (29.5.2004)

 

Als spezielle Herausforderung plante ich im wilden Val-Grande-Nationalpark den ehemaligen Weg von Pogallo auf die Bocchetta di Campo zu begehen. Zu dritt reisten wir am Vorabend nach Pogallo und campierten dort. Für den zweiten Tag waren nur 4 km Distanz vorgesehen, die ersten zwei, bis Baldesaut, konnten wir auf einem knapp erkennbaren Weg in einer Stunde bewältigen. Für die übrigen zwei Kilometer brauchten wir aber über zehn Stunden. Zu Beginn machten uns Schluchten und enge Passagen an felsigen und bewaldete Hängen Schwierigkeiten, später war es der steile Aufstieg, dann der Nebel und schlussendlich die Schneefelder. Gott sei Dank trafen wir am Schluss in der offenen Hütte auf dem Bocchetta di Campo ein.

 

 

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