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Geschichten
mit dem Wetter |
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Geschichten mit Gewittern
Das prächtigste
Gewitter (10.6.2000)
Mein schönstes
Gewitter erlebte ich im Zelt auf der zweiten Expedition ins Val Grande. Nach
dem ich mit Mathias Hauri bei der Forstwarthütte im Zentrum des Val-Grande-Nationalparks
in Norditalien zu Nacht gegessen hatte, entschlossen wir uns, trotz des
instabilen Wetters das Zelt aufzustellen, denn zum einen war es in der
Hütte schmutzig, und zum andern wollten wir das Zelt nicht vergebens
herumgetragen haben. Kaum hatten wir es aufgestellt, begann es natürlich
zu regnen. Weil das Val Grande eigentlich einen Kessel mit sieben
Nebentälern und einer engen Schlucht als Ausgang darstellt, fand die
Gewitterzelle, die sich hier hinein verirrt hatte, nicht mehr heraus. Da wir in
der Mitte dieses Kessels zelteten, konnten wir es seine Runden drehen
hören, manchmal auch überall oder direkt über uns,
überlagert mit dem Echo von allen Hängen. Dank dem dünnen
Zeltstoff war die akkustische Vorführung auch optisch hautnah mit zu
erleben, unterstützt durch das Wasser, das durchsickerte (am meisten nass
wurde mein Portemonnaie, so dass ich richtiggehend Geldwäscherei betrieben
hatte). Das Donnerkonzert umfasste zwei Sätze zu je zwei Stunden, aber es
wurde einem nie langweilig dabei; nach mehreren Fortissimi und dem Decrescendo
regnete es den ganzen nächsten Tag weiter.
Gewitter im
Halbstundentakt (23.7.1996)
Das Wetter auf der
Velotour mit Simon Scherrer und Matthias Kipfer von Martigny ans Mittelmeer war
eigentlich in Ordnung. Als wir aber das enge Tal des Arc hinunterfuhren, kam
uns mit dem omnipräsenten Gegenwind auf einmal eine Gewitterzelle
entgegen. Wir standen ihr einen Kilometer vor Lanslebourg gegenüber, dort
wollten wir unterstehen; doch wir schafften es nicht mehr. Der erste Windstoss
des kleinen Monsters fegte uns einen nach dem andern um. Wer irgendwie fahren
oder laufen konnte, floh zum Dorf hin, während der Himmel
ausschüttete, was er konnte. Auf diesem Kilometer wurden wir nicht nur
durchnässt, sondern wir verloren einander sogar, bis ein Einheimischer mit
seinem Auto bei allen Unterständen hielt und uns so die Kommunikation
vermittelte. Zehn Minuten später war alles vorbei und die Sonne schien,
doch im selben Tal kam uns nochmals ein Gewitter entgegen, aber immerhin ein
schwächeres. Am folgenden Tag stiegen wir zum Col du Galibier auf ,wobei
fünf Microgewitter im Halbstundentakt vorbeizogen, glücklicherweise
hatte es alle 200 Höhenmeter ein Haus zum Unterstehen. Das
Schlussstück war freundlicher, doch der Schein trügte, denn genau als
wir die Passhöhe erreichten, begann es zu hageln, und ich war froh, dass
ich den Velohelm anhatte.
Geschichten mit
Nebel
Wächte im Nebel I
(20.1.2001)
Einen anderen
Wetterumschlag auf einem Pass erlebte ich auf der Fuorcla da Tschitta zwischen
Preda und Tinizong. Wir waren zu dritt auf einer Skitour und freuten uns oben
auf dem Pass auf die Abfahrt, als wir in eine dichte Wolke gehüllt wurden.
Die Sicht reichte ungefähr 5 m weit. Da ich Karte, Kompass und Höhenmeter
dabei hatte, sah ich kein Problem darin, bedauerte lediglich die fehlende
Aussicht und fuhr voraus. Ich wollte in eine kleine Talform fahren um jener zu
einem zugefrorenen Seelein folgen. Als ich den Boden des Tälchens gefunden
hatte, suchte ich den Ausgang, aber irgendwie ging es auf allen Seiten hinauf.
Ich zückte sofort die Karte und konnte es nicht glauben, in einer
Depression gelandet zu sein, wo doch die Landestopographie gar keine
eingezeichnet hatte. Probieren geht über studieren, und so folgte ich der
Höhenlinie, auf der ich gerade stand und wäre wirklich im Kreis herum
gelaufen, wenn mich nicht der eine Hang, verdächtig stark an die Lee-Form
einer Schneewächte erinnert hätte. Tatsächlich hatte eine 5 m
hohe Wächte den Ausgang des Tales versperrt. Zum Nachprüfen stieg ich
über die Wächte und fuhr etwas hinab; als es nach 50 m immer noch
bergab ging, wusste ich, dass dies das Tälchen sein musste. Man hatte aber
immer das Gefühl, alles bewege sich, sei es ein Stein, den man sah, oder
der Boden, auf dem man stand, denn das Gleichgewichtsorgan war ganz auf sich
selbst gestellt. Unangenehm war es auch, wenn man anhalten wollte und danach
nicht sicher war, ob man nun noch fuhr oder wirklich stillstand. Später
fanden wir eine Hasenspur, der wir folgten, bis es eindeutig war, dass der Hase
nicht nach Tinizong wollte. Glücklich war ich, als ich am angepeilten Ort
mit dem Skistock im Schnee grub und auf Eis stiess, als Beweis den See
getroffen zu haben. Bald danach lichtete sich die Sicht und wir schafften es
noch vor Einbruch der Dunkelheit ins Dorf.
Wächte im Nebel II
(24.4.1999)
Eine
Studienkollegin, die erst zweimal auf Skis gestanden war und noch nie im
Neuschnee, wollte gerne mal auf einen Dreitausender, deshalb nahm ich sie mit
auf das Simelihorn mit seinen 1700 m Aufstieg. Fazit: Wir hatten etwas
länger als geplant; ich war derjenige, der das meiste Gepäck trug;
aber ich war auch der einzige, der auf der Abfahrt stürzte. Leider war es
die meiste Zeit neblig (was nicht heisst, dass man keinen Sonnenbrand bekommen
kann, aber das glaubte mir meine Kollegin erst am Tag danach), und ich
wählte im oberen Teil einen flacheren Hang zur Abfahrt als im Aufstieg,
was bedeutete, dass ich mich nicht an der Aufstiegsspur orientieren konnte. Die
Sicht reichte nur knapp bis zur eigenen Skispitze, das lokale Gelände
konnte man also nur mit den Skis abtasten. Als ich voranfuhr, hatte ich
plötzlich das Gefühl, keinen Untergrund mehr zu spüren.
Irgendwie war nicht nur links und rechts, vorne, hinten und oben Nebel, sondern
auch unter mir. Das verwirrte mich, denn laut Karte war es ein
gleichmässiger, sanfter Hang, also war ich gespannt, was nun passieren
würde. Ein paar Sekunden später versank ich im Pulverschnee, es hatte
sich scheinbar im Hang eine Wächte gebildet. Meine Kollegin staunte auch
nicht schlecht, als sie meine Spuren im nichts verschwinden sah, auf jeden Fall
konnte sie noch vorher bremsen.
Bei Nebel läuft
nichts (17.-18.7.2005)
Dass es auf den
Färöer-Inseln viel Nebel hat, wussten Vera und ich, als wir dorthin
in die Ferien gingen. Der Nebel störte uns bei den Wanderungen und
Reit-Ausflügen nicht besonders. Als wir hingegen nach Hause fliegen
wollten, stellten wir fest, dass der ganze Flugverkehr blockiert war, denn bei
Bodennebel kann kein Flugzeug auf den Färöern landen. Wir erfuhren
später, dass der kleine Flughafen in diesem Jahr ein
Instrumentenlandesystem gekauft es aber noch nicht installiert hatte. Wie auch
immer, wir fanden uns bald damit ab, dass wir den Anschlussflug in London
verpassen würden. Dass wir aber den ganzen Tag im Flughafen sitzen würden,
hätten wir nicht gedacht. Es gab eben keine zuverlässigen
Abschätzungen, wann der Flug stattfinden könne, denn der Nebel
könnte sich jeden Moment lichten. Freundlicherweise lud uns die
Fluggesellschaft zum Abendessen im Airporthotel ein. Um neun Uhr wurde uns
sogar eine Übernachtung im Vierstern-Hotel in der Hauptstadt angeboten.
Dort wurde man genötigt, nochmals zu dinnieren. Am nächsten Tag war etwas blauer
Himmel zu sehen. Gegen Mittag konnten sogar Flugbewegungen durchgeführt
werden, doch kamen zuerst die Passagiere an die Reihe, die schon seit zwei
Tagen festsassen. Unser Abflug fand dann schlussendlich mit 28¼ Stunden Verpätung statt.
Geschichten mit
Schnee
Bis zum Bauchnabel im Gletscher (5.8.1997)
Das erste Mal, dass
ich mich beim Reliefbau verletzte, war beim Zuschneiden des Randes am
Saastal-Relief, das ich eigentlich für das Konflager gebaut hatte. Als ich
mit dem Messer an der Stelle, die den Gletscher unterhalb des Rimpfischhorns
darstellt, durchfuhr, rutschte ich aus und schnitt mir in den Daumen der linken
Hand (die Narbe davon ist heute noch zu erkennen). Ein Jahr später in
einem Hochtourenlager bestiegen wir das Rimpfischhorn und stiegen danach
über den Gletscher zur Täschhütte ab. Unter dem weichen Schnee
war eine sehr kleine Gletscherspalte. Als ich darauf trat, versank ich darin;
sie war aber so eng, dass ich nur bis zum Bauchnabel tief einsank und
eingeklemmt blieb. Spätere Nachforschungen haben ergeben, dass sich der
Vorfall genau an der Stelle ereignet hatte, wo am Relief der Schnitt passierte.
Ich möchte betonen, dass ich kein Voudou-anhänger bin, aber das
andere Mal, als ich mich beim Bearbeiten eines Relief verletzte, schnitt ich
mir ins Bein, weil ich mit dem Messer am Monte-Rosa-Relief ausrutschte. Kurz
darauf stürzte ein deutscher Tourist am Monte Rosa in eine Gletscherspalte
und konnte erst nach drei Tagen gerettet werden; nach den Beschreibungen in der
Zeitung geschah dies genau dort, wo ich mit dem Messer ausgeruscht war. Seither
hatte ich keinen Relief-Unfall mehr.
Kontinentaler Schnee
(2.6.2001)
Als ich mein
Semester in Norwegen begann, konnte ich bis Ende April nichts anderes
unternehmen als Langlaufausflüge, denn die Strassen waren vereist und die
Berge mit Pulverschnee überzogen. Als die Temperaturen erstmals über
null stiegen, begann ich mich auch zu Fuss auf die Berge zu wagen. Ich stellte
fest, dass der Schnee auf den Inseln zwischen der Stadt Tromsø und dem
Nordpolarmeer bereits hart genug war, so dass man darauf laufen konnte. Sobald
ich aber einen Ausflug auf dem Festland unternahm, sank ich im nassen Schnee
tief ein. Ein Schweizer Kollege bemerkte dieses Phänomen auch, und wir
führten die Begriffe „insulärer Schnee“ und „kontinentaler
Schnee“ ein. Für das Pfingst-wochenende hatte ich einen
grösseren Ausflug geplant und fuhr mit dem Velo an die Grenze zu Finnland,
also ins Landesinnere. Es geschah, dass der erste Gipfel über 1000
m.ü.M., den ich in Nordeuropa bestieg, ausgerechnet in Finnland, dem Land
der flachen Wälder und Seen, zu liegen kam. Schon an diesem Hügel,
aber auch als ich zum Dreiländereck Schweden-Finnland-Norwegen laufen
wollte, musste ich Schneefelder passieren, die einen Superlativ von
kontinentalem Schnee darstellten. Der finnische Schnee war so nass und weich,
dass man metertief darin einsank. Den Dreiländerpunkt konnte ich deshalb
nicht erreichen und fuhr lieber zurück ans Meer. Auf jeden Fall bin ich
froh, dass die Schneeregel mit dem Abstand zum Meer in den Alpen nicht gilt.
Schnee im Süden
(12.4.1997)
Das einzige Mal,
dass ich keine Jacke mit in die Ferien nahm, war auf der
Griechenland-Rundreise, denn ich dachte, im Süden sei es im Frühling
sicher warm. Nun ja, der Reiseführer bemerkte unterwegs, es sei das erste
Mal, das er die Meteora-Klöster im Schnee sehe, und auch in Athen schlug
das verirrte Tiefdruckgebiet zu, denn das Wetter hätte man fast einen
Schneesturm nennen können. Deshalb kaufte ich mir in Athen unter dem
Hügel der Akropolis eine Wollmütze.
Steinzeit-Snowboard (19.6.2001)
Ich hatte mich zuvor
erst zweimal auf die sogenannt moderne Sportart Snowboard gewagt. In Norwegen
stellte ich jedoch fest, dass man diesen Spass auch mit den einfachsten Mitteln
bekommen kann. In einer Nacht, in der in Tromsø die Sonne nicht tiefer
geht, als 3 Grad über den Horizont, bestieg ich mit drei Kollegen des
Polarumweltzentrums den Hausberg der Stadt. Auf dem Abstieg vom Tromsdalstind
(1238 m.ü.M.) hatte es einige Schneefelder zum hinabrutschen. Weil mir der
nasse Schnee in die Schuhe kam und weil dort viele grosse Schieferplatten
herumlagen, machte ich bei einem steilen Schneefeld den Versuch, auf einer
Schieferplatte stehend zu rutschen. Wenn der Schuh auf dem Stein guten Halt
hatte, funktionierte dies erstaunlich gut. Ich konnte mit Gewichts-verlagerungen
sogar steuern und kam rassig voran. Doch in der ersten Kurve verlor ich das
Gleichgewicht und mein Snowboard im Steinzeit-look fuhr ohne mich hinunter.
Übernachtung im
Schnee (20.7.2000)
Wie immer, wenn ich früher
zelten ging, nahm ich zwar einen Schlafsack mit, aber keine Unterlagsmatte,
einerseits wegen des Gewichtes, andererseits sagte ich, ich könne auch
ohne Luxus leben. So auch bei den drei Übernachtungen der
Mont-Blanc-Expedition. Die erste Nacht zelteten wir noch auf einem Campingplatz,
allerdings wegen Platzmangel auf dessen Boggiaplatz (feiner Kies, aber flach).
Die zweite Übernachtung war auf einer Wiese an der Waldgrenze. Das Gras
isolierte zwar gut, aber eine Herde schwarzer Kühe umzingelte unser Zelt
und vermieste uns den Schlaf durch ihr Schnauben. Weil wir am dritten Tag gut
vorwärts kamen, waren wir gegen Abend schon auf dem Gletscher auf 4260
m.ü.M. Veronika Röthlisberger und Adrian Gilli waren dann gnädig
mit mir, denn sie teilten ihre Unterlagsmatten mit mir, dennoch kann ich von
Übernachtungen auf Gletschern abraten, denn so wie man am Anfang liegt, so
formt sich der Schnee und man kann sich kaum noch drehen. Aber wir wollten
sowieso um drei Uhr aufstehen.
Unfreiwillige
Übernachtung im Schnee (30.5.1999)
Unfreiwillig und
ohne Zelt hatte ich schon vorher einmal im Schnee übernachtet, und zwar
damals, als Matthias Kipfer und ich die glorreiche Idee hatten, auf einer
Velotour zum Stilfserjoch an Pfingsten eine Abkürzung über einen Pass
ohne Strasse auf 2540 m.ü.M. zu nehmen. Solange noch eine Kiesstrasse in
das Seitental führte, war alles in Ordnung. Danach waren es noch zwei
flache Kilometer bis zur Passhöhe, doch es hatte Schneefelder dazwischen,
auf welchen wir bis zu den Hüften einsanken, während wir die Velos
trugen. Unterdessen wurde es Nacht und meine Halbschuhe waren voll
Schmelzwasser. Die kleine Hütte auf dem Pass war unsere Hoffnung, doch sie
war militärischen Ursprungs und daher total verriegelt. Doch im
Windschatten der Hütte hatte es einen Quadratmeter ohne Schnee, dort
warteten wir den Morgen ab. Irgendwie war es noch speziell mit dem Mondlicht
zwischen den Dreitausendern. Es war gar nicht so kalt, aber doch kalt genug,
dass der Schnee am Morgen gefroren war und man nicht mehr einsank.
Dünne Luft und
wenig Schlaf (31.3.1999)
Harter Schnee am Morgen ist nicht
nur zum Velofahren, sondern auch für Skitouren günstig, deshalb
wollte ich einmal per Nachtzug nach Zermatt fahren, um früh starten zu
können. Leider gibt es keinen Nachtzug nach Zermatt, aber einen nach Brig.
Mit den Skis und der ganzen Ausrüstung auf dem Velo stieg ich also um ein
Uhr aus dem Zug und fuhr nach Zermatt hinauf, wo ich um vier Uhr
frühstückte. Die Vorteile dabei waren, dass ich das teure Billet der
Zahnradbahn nicht bezahlen musste, dass es keinen Verkehr hatte und ich die
Natur mit Mondlicht und Tiergeräuschen ganz intensiv wahrnehmen konnte;
der Nachteil waren die 30 kg, die Velo und Tourenausrüstung zusammen
wiegen. Als ich auf der Skipiste hinauf fellte, hatte ich die Piste für
mich alleine, erst auf 3000 m.ü.M. begegnete ich Menschen. Aber dann liess
mich die Kondition voll im Stich, obwohl ich stündlich Schokolade und
Erdnüsschen ass. Kurz vor dem Theodulhorn kam ich mir vor wie am Mount
Everest, denn nach jeweils 10 Schritten musste ich wieder eine Verschnaufpause
machen. Dennoch erklomm ich danach noch zwei weitere Gipfel. Nach der Abfahrt
und der Zugfahrt waren exakt 24 Stunden seit meinem Start zu Hause vergangen;
das nenne ich einen klassischen Tagesausflug.