Die Spielregeln von Ligretto
Ausführliche Version nach Konrad Weber
§ 1 Die Aufstellung
§ 1.1 Das Spiel ist mit jeder
möglichen Mitspieleranzahl durchführbar, jedoch ändern sich die Spielweisen je
nach Anzahl. Alle Mitspieler setzen sich in einer möglichst runden
Angliederung, die ein Feld mit einer Fläche von mindestens 0,04 Quadratmetern
pro Mitspieler einschliesst, aber von jedem Spieler aus ohne grösseren Aufwand
mit der Hand in jedem Punkt erreichbar ist.
§ 1.2 Aufstellung für 3 bis 8 Spieler
§ 1.2.1 Für das Spiel mit 3 bis 8 Personen nimmt jeder einen Kartensatz zu 40
Karten, wobei diejenige Seite, auf der eine Nummer aufgedruckt ist, niemals mit
einer anderen Karte des gleichen Kartensatzes identisch sein darf. Aber
diejenige Seite, auf der keine Nummer aufgedruckt ist, muss bei allen 40 Karten
des gleichen Kartensatzes identisch sein. Alle Karten müssen mit der
nummerierten Seite in die gleiche Richtung den selben Aufdruck auf der nicht
nummerierten Seite aufweisen; bei einer Mitspieleranzahl von über 4 Personen
ist es daher unmöglich mit nur einem Ligretto-Gesamtspielsatz zu spielen und es
muss mit einem zweiten, anders gedruckten oder speziell markierten
Gesamtspielsatz erweitert werden.
§ 1.2.2 Jeder Mitspieler mischelt dann die Karten, die er erhalten hat, bis
keine Konzentration von gleichen oder auf dem Zahlenstrahl nahen Nummern mehr
im Kartensatz vorhanden ist. Sind alle Mitspieler der Auffassung, dass der
Mischvorgang abgeschlossen sei, so gibt jeder den Kartensatz, den er gemischelt
hat, an den Mitspieler, der rechts von ihm sitzt, weiter. Dieser hat das Recht,
die erhaltenen Karten noch genau einmal zu mischeln.
§ 1.2.3 Der Mitspieler nimmt den fertiggemischelten Kartensatz mit der
unnummerieren Seite nach oben in die Hand und zählt von oben her 10 Karten auf
eine Beige ab, so dass er die Nummern nicht erkennen kann. Auch den anderen
Mitspielern ist es nicht erlaubt, die abgezählten Karten zu kennen. Die Beige
mit den 10 Karten kehrt er dann um, so dass er die oberste Karte sieht; daneben
legt er 3 weitere Karten vom Kartensatz (bei diesem die Nummern nach unten) von
oben her genommen neben die Beige, so dass man die Nummern sieht. Ist die
Quersumme der vier aufgedeckten Karten grösser oder gleich 30, so darf er
selbst noch einmal alle Karten mischeln und die Anordnung neu aufstellen. Es
ist aber wichtig, dass alle Spieler ihre Karten je in einer Reihe so anordnen,
dass in der Mitte ein klar abgegrenztes und möglichst rundes Feld (Polygon)
entsteht.
§ 1.3 Beim Ligretto mit zwei Spielern findet derselbe Vorgang statt, am legt
aber nicht drei, sondern fünf Karten neben die Beige; ein Maximum der Quersumme
ist auch nicht festgelegt. Es ist aber auch möglich, dass beide zwei
Kartensätze zusammenmischen und dementsprechend auch 20 Karten für die Beige
abzählen und 6 Karten daneben ablegen.
§ 1.4 Spielt jemand allein, so ist es ihm selbst überlassen, wie er spielt.
§ 1.5 Bei mehr als 8 Personen sollte man die Gruppe in zwei Gruppen aufteilen.
§ 2 Das Spiel
§ 2.1 Wenn alle
Mitspieler fähig sind zu beginnen, so gibt jemand ein Signal, das eindeutig dem
Spielbeginn zuzuordnen ist und das alle Mitspieler gut hören können.
§ 2.2.1 Noch dem Startsignal kann jeder, der eine Karte mit einer 1 aufgedruckt
hat unter den aufgedeckten Karten in der Beige und der Reihe nebenan, diese in
das Feld legen.
§ 2.2.2 Die Karten mit der Nummer 1 kann man immer legen und überallhin im Feld.
Die Karten mit den anderen Nummern nur auf die Karte mit der gleichen Farbe und
der Nummer, die um die Differenz 1 kleiner ist. Wenn man die Karten mit der
Nummer 10 auf die Karte mit der Nummer 9 legt, so muss man diese Karte
umgekehrt legen, also mit der unnumerierten Seite nach oben.
§ 2.3 Wenn ein Spieler eine Karte von seiner Reihe gelegt hat, so darf er die
oberste Karte seiner Beige an den Ort legen, wo vorher die gelegte Karte war.
§ 2.4.1 Wer momentan aus der Beige und der Reihe nicht legen kann, der hat die
Gelegenheit vom verbliebenem Kartensatz (mit den Nummern nach unten) von oben
her drei Karten abzuzählen und umzudrehen; die oberste dieser drei Karten darf
er auch auf eine Feldbeige legen, wenn sie um eine Nummer höher ist, als die
oberste Karte der Feldbeige, und wenn sie von der gleichen Farbe ist. Passt die
Karte vom Kartensatz nirgendwo hin, so darf man sofort drei weitere Karten
abzählen und umdrehen. Immer die oberste dieser Beige vom Kartensatz ist
berechtigt, gelegt zu werden, das heisst, wenn man eine legt, so darf man die
Karte untendran, die soeben zur obersten Karte geworden ist, auch legen, wenn
man kann.
§ 2.4.2 Wenn man den ganzen Kartensatz abgezählt hat, nimmt man die abgezählte
Beige mit den Nummern nach unten wieder in die Hand und beginnt erneut mit
abzählen, jedoch darf man beim ersten Abzählen auch nur eine oder zwei Karten
nehmen, dann aber wieder immer drei. Anstatt drei Karten darf man auch mehr
nehmen, aber nie weniger.
§ 2.4.3 Nach Absprache mit allen Mitspielern ist es auch möglich eine
Vereinbarung zu treffen, dass man immer nur eine Karte vom Kartensatz abzählt
anstatt drei.
§ 2.5.1 Wenn mehrere Spieler fast gleichzeitig die gleiche Karte am gleichen
Ort legen und des einen Karte ist unter derjenigen des anderen und es ist
sicher, dass die untere Karte nicht nach dem Aufprall der nun oberen Karte
daruntergerutscht ist, so gilt die untere Karte und der obere muss seine
zurückziehen; wenn man aber sicher ist, dass die untere Karte unter die obere
gerutscht ist, so gilt die obere. Im Fall, dass beide Karten gleichzeitig
nebeneinander auf der Feldbeige landen, oder wenn der Rutschvorgang von keinem
der anwesenden Personen bestätigt werden kann, dann bleiben beide Karten liegen
und man spielt weiter.
§ 2.5.2 Eine Karte, die ohne fremden Einfluss nicht auf die bestimmte Beige im
Feld gelegt wurde und keinen Berührungskontakt mit der Beige hat, gilt nicht
als gelegt; wenn unterdessen ein anderer eine gleiche Karte auf die betroffene
Feldbeige richtig legt, so muss der erste seine falsch gelegte Karte
zurücknehmen. Wenn aber jemand mit seiner Hand die Karte eines anderen
wegstösst weil er auf die gleiche Beige legen wollte, so kommt es darauf an,
wer die Beige zuerst mit seiner Karte berührt hatte.
§ 2.5.3 Ein Spieler, der eine Karte gelegt hatte, die in dem Zustand der
Ungültigkeit gekommen war, ist verpflichtet, diese Karte an den Ort
zurücklegen, wo sie vor dem Eintritt ins Feld gelegen hatte.
§ 2.5.4 Falls jemand unabsichtlich eine Beige umstösst, soll er sie während dem
Spiel rekonstruieren, wenn er aber eine Beige ausserhalb des Feldes, die eines
Mitspielers, umstösst oder sonst einen Schaden anrichtet, der das Spiel
verfälscht und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, dann wird das Spiel
abgebrochen. Wer absichtlich das Spiel verfälscht, kann nach Absprache der
anderen Spieler disqualifiziert werden.
§ 2.5.5 Es ist keinem Spieler erlaubt eine Karte eines anderen zu verschieben.
Jedoch darf er die Karten seiner Reihe in einer anderen Folge anordnen, muss
sie aber als Reihe belassen.
§ 2.5.6 Niemand darf mit zwei Händen gleichzeitig Karten ins Feld legen und
auch nicht zwei Karten oder mehr miteinander.
§ 2.6 Wenn ein Spieler ein Problem hat, das das Risiko darstellt, dass das
Spiel verfälscht ablaufen könnte, sei es eine Frage zu den Regeln, ein Konflikt
mit einem Mitspieler oder ein Missgeschick mit seinen Karten, so darf er das
das Spiel unterbrechen lassen.
§ 2.7 Hat ein Spieler von seiner Beige mit den anfänglich 10 Karten auf null
abgebaut (die Reihe nebenan muss nicht ins Feld gelegt sein), so darf er
„Ligretto!“ rufen. Bei diesem Stoppsignal darf jeder, der noch eine
Karte legen wollte und sie schon in der Hand hat (Berührung reicht), noch
legen, wer aber keine Karte in der Hand hatte um sie ins Feld zu legen, muss
aufhören; denn das Spiel ist beendet.
§ 3 Das Zählen
§ 3.1 Zuerst räumen alle
ihre Reihe ab, dann zählt jeder die Karten aus der Beige, die am Anfang aus 10
Karten bestanden hatte, und multipliziert deren Anzahl mit dem Faktor –2;
daraus erhält er den Wert seiner Minuspunkten.
§ 3.2 Alle Karten im Feld werden nach der unnummerierten Seite sortiert und dem
Spieler, der sie gelegt hatte, zugeordnet. Dieser zählt sie und verrechnet die
Anzahl seiner ins Feld gelegten Karten mit seinen Minuspunkten durch Addition
und erhält so seine Punktzahl dieser Runde. Von Runde zu Runde werden die
Punktzahlen zusammengezählt.
§ 3.3 Vergisst jemand zu zählen, so entscheiden die Mitspieler über seine
Punkteberechnung.
§ 3.4 Die Dauer des Gesamtspiels kann zeitlich, nach Punkten oder gar nicht
festgelegt werden.
§ 3.5 Kommt nach dem Beginn des Gesamtspiel ein zusätzlicher Spieler hinzu,
wird ihm der Durchschnittswert der Punktwerte der bisherigen Mitspieler als
Startwert gegeben.
§ 3.6 Als fakultative Zusatzregel kann eingeführt werden, dass der Spieler, der
mit seinem Ligretto-Ruf die vergangene Runde beendet hat, ab diesem Zeitpunkt
jeweils eine Karte mehr auf seine Beige bei der Aufstellung legen muss, zuerst
also 11. Wenn alle Spieler mindestens 11 Karten auf ihre Beige zu legen haben,
reduzieren alle die Anzahl Karten, die sie auf die Beige bei der Aufstellung
legen müssen um eins.
§ 4 Das oberste Gebot
§ 4.1 Jeder soll ehrlich spielen und weder mit legalen noch mit illegalen Mitteln versuchen, die anderen zu stören oder sonst einen ungerechten Vorteil zu erringen.