Monopoly life

 

„Los, lass uns sofort zwei Häuser in Luzern bauen, ich glaube, Gruppe 3 kommt in ein paar Minuten in Luzern an, dann müssen sie uns kräftig zahlen!“ Solche und andere Sätze wie „dann können wir gleich noch Olten und Aarau kaufen, und wenn wir später noch Aarwangen holen können wir bauen“ müssen am 13.11.04 noch manchen Fahrgast der SBB erstaunt haben.

 

Wir, einige motivierten und begeisterte Zugfahrer spielten an jenem Samstag auf einem zuvor definierten Gebiet des SBB-Streckennetzes ein Life-Monopoly mit verschiedenen Gruppen. Die Regeln wurden im Voraus genau definiert und festgelegt:

 

Die Aufgabe war es, strategisch möglichst geschickt Ortschaften per Zug zu erreichen und diese zu „kaufen“. Wer drei Bahnhöfe mit demselben Anfangsbuchstaben gekauft hatte, durfte auf ihnen „Häuser bauen“. Fährt eine andere Gruppe  beispielsweise auf denselben Bahnhof, sind Gebühren zu bezahlen, je nach Wert der Ortschaft mehr oder weniger. Kommt der Kondukteur oder die Mini-Bar vorbei, sind Karten (Kanzlei oder Chance) zu ziehen und ihre Anweisungen auszuführen; bei Verspätung des Zuges aber muss die Gruppe ins Gefängnis und ist kein freies Abteil vorhanden, müssen Nachsteuern bezahlt werden und so weiter... Kommuniziert wurde per SMS, der neueste Besitz- und Kassenstand wurden von jeder Gruppe notiert. Man spielte auf Treu und Glauben!

 

Ziel war es, das Monopol in diesem Netz zu erlangen, also möglichst viel Ortschaften mit teuren Bauten zu besitzen, um die anderen „sich bankrott fahren“ zu lassen.

 

Um 08.00 Uhr starteten also drei mit GA oder Tageskarten und Kursbüchern bewaffnete Gruppen, um möglichst rasch die strategisch geschicktesten Orte wie Zürich, Olten, Luzern zu ergattern. „Wir brauchen noch ein drittes O neben Olten und Oensingen, sollen wir nach Othmarsingen oder Oberbipp oder…?“ Spannend wurde das Spiel, als die Ortschaften soweit vergeben waren, dass nur noch wenige Ausweichmöglichkeiten bestanden. So wählte zum Beispiel eine Gruppe die Route Hardbrücke-Effretikon-Wetzikon-Pfäffikon, um die zwei Häuser in Zürich HB zu umfahren. Ziellos per Bummler herumzutrödeln galt als unfair und auf einem Bahnhof länger als 30 Minuten zu verweilen, war sogar per Regeln verboten, was aber - angesichts des kalten Wetters - auch nicht möglich gewesen wäre.

 

„Was machen Sie da eigentlich“ war plötzlich die Frage eines interessierten Fahrgasts, der unsere Ausführungen verfolgt hatte. „Wir spielen Monopoly, aber life!“. Das Gespräch wurde jäh unterbrochen, als ein SMS eintraf: „2 B 4000 Baden“ lautete die Meldung. Die für das Monopoly erfundenen Kürzel bedeuteten hier soviel wie „Wir, Gruppe 2, sind gerade in Baden und müssen 4000 Fr. an die Besitzergruppe bezahlen“. „Was ist aber das Ziel?“ fragte der Fahrgast etwas irritiert über unsere Ideen, kurz bevor er aus dem Regionalzug Langenthal-Wolhusen ausstieg. „Wir lieben das Spiel, fahren gerne Zug und messen uns in der Kenntnis über Kniffs und Tricks des Schweizer Schienenverkehrs.“

 

Die Limite des Spiels war die Zeit oder aber, dass eine Gruppe vorzeitig pleite gewesen wäre. Um 14.15 Uhr beschlossen wir das Spiel zu beenden und tauschten Kontostand und viele, viele Erlebnisse, Überlegungen und Regel-Verbesserungsvorschläge aus. Das letzte SMS, das die Runde machte lautete: „Danke für’s spielen, hat echt Spass gemacht“.

 

Wann die zweite Runde starten wird ist noch offen, sicher ist aber, dass mit dem Fahrplanwechsel 2004/05 viele neue – noch ungeahnte – Möglichkeiten auf uns warten.

 

Vera Weber

 

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