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Skandinavien-Reise

 

20. Dezember 2002 bis 4. Januar 2003

(Bericht von Konrad Weber)

 

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Skandinavien ist mir lieb und bekannt geworden, nach dem ich 1997 zwei Reisen dorthin unternommen hatte. Nach meinem Ausland-Semester in Tromsø, war es mir eine Art zweite Heimat geworden. Ich kannte über fünf Monate skandinavischen Sommer und wollte auch den Winter mal erleben. Gerade auch deswegen, weil Tromsø nördlich des Polarkreises liegt und im Winter monatelang überhaupt kein direktes Sonnenlicht erhalten kann. Es war schwierig, einen Kollegen für die Reise in die Polarnacht zu begeistern, doch Nathan kam mit.

20. Dezember 2002

Um 20.08 Uhr fuhr ich mit 19 kg im Rucksack mit dem Velo nach Aarburg. In Olten traf ich Nathan, in Basel konnten wir in den City-Night-Line-Zug nach Hamburg einsteigen (Interrail-Ticket). Bis Offenburg blieben wir in den „Ruhesesseln“ (billigste Reisekategorie) und redeten, dann war es uns zu unbequem und wir nisteten uns in den Gepäckablagen (Metallgitter) oberhalb der Fenster ein (mit Schlafsack). Als uns der Schaffner so sah, nahm er Bezug auf das Metallgitter und fragte humorvoll: „Haben Sie eine Netzkarte“)

21. Dezember 2002

Nach Bremen frühstücken wir. In Hamburg hatte es etwas Schnee, die Elbe war teilweise gefroren und der Himmel neblig. Wir reisten gleich nach Kiel weiter. Unterwegs nach Flensburg kam die Sonne, und als es uns gerade gefiel, stiegen wir im Dorf Sörup aus. Während der Stunde Aufenthalt schauten wir die Kirche an und gingen an einem kleinen See aufs Eis. Der Anschluss in Flensburg fuhr uns leider gleich davon. Auf dem nächsten Kurs hatten wir einen modernen Zug (inklusive Kaffeeautomat), 15.30 Uhr ging die Sonne in Dänemark unter. Mit einem IC fuhren wir ab Fredericia per Brücke auf die Insel Fünen und per Tunnel unter dem Meer auf die Insel Seeland. Um 19.07 Uhr erreichten wir Kopenhagen und per S-Bahn und Kickboard fanden wir die Jugendherberge schnell. Mit drei Koreanern teilten wir das Zimmer.

22. Dezember 2002

Die Betten waren ziemlich wackelig, die koreanische Atmung ziemlich laut, doch mit der Müdig­keit von der letzten Nacht, schliefen wir gut. Als wir zur S-Bahnstation Vanløy rollten, schmolz eines meiner Kickboard-Rädchen, obwohl die Luft unter null Grad war. Der Regionalzug nach Malmö gönnte es uns, die neue Øresund-Brücke kennenzulernen. Weiter rasten wir mit dem X2000-Zug nach Stockholm. Die Landschaften waren von Raureif und der tiefstehenden Sonne geprägt. Nach einem Einkauf in der Centralstation der schwedischen Hauptstadt, fuhren wir mit der Metro zur Jugendherberge Zinkensdamm, doch sie war entgegen den Informationen ihrer homepage geschlossen. Auf der Felge meines Kickboards fuhr ich mit Nathan mit einem Umweg am Königsschloss vorbei an den Bahnhof zurück. Wir beschlossen nach Örebro weiterzureisen. Um 18.05 hatten wir einen X2000 nach Hallsberg. Der Anschlusszug hatte eine Verspätung. Als wir in Örebro versuchten den Stadtplan zu entziffern, sprach uns eine Frau an, die ihren Sohn abholen wollte, welcher aber auch eine Verspätung hatte. Sie bot uns an zur Jugendherberge zu fahren. Sie wäre um diese Jahreszeit geöffnet gewesen, die Reception hatte aber tageszeitlich bedingt schon geschlossen. Die Frau fuhr uns deshalb zu einem günstigen Hotel in der Innenstadt. Als sie abgefahren war, merkten wir, dass diese Hotel auch geschlossen war. In der Lobby eines teuren, aber offenen Hotels telefonierten wir mit Jan-Erik (ein

 

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Nördlich des Polarkreises war zu dieser Jahrzeit Polarnacht

Studienkollege von mir, den ich aus Tromsø kannte; wir hätten ihn erst morgen besuchen wollen). Er freute sich, dass wir schon in Örebro seien. Er hatte noch Gäste, es war aber noch Fischsuppe übrig und wir konnten spät am Abend auf Klappbetten im Hobbyraum schlafen (nach den Erfahrungen dieses Tages waren wir mit jedem geheizten Raum zufrieden).

23. Dezember 2002

Um acht Uhr standen wir auf und assen mit der Familie von Jan-Erik das Frühstück. Nach dem Packen ging es um das Anpassen der Schlittschuhkufen an die Langlaufschuhe.  Auf Jan-Eriks Vorschlag machten wir eine 35-km lange Schlittschuh-Tour zur Insel Vinön im Hjälmaren-See zum Ferienhaus, in dem die Familie Weihnachten feiern wird. Die Rucksäcke konnten wir im Auto transportieren lassen.  Vom Ufer des auf 24 m.ü.M. liegenden, viertgrössten See Schwedens starteten wir in Örebro. Wir starteten um halb zwölf Uhr (die Sonne stand ca. 6° über dem Horizont) auf dem 15-20 cm dicken, klaren Eis, welches von natürlichen Spalten durchzogen war. Ich hatte anfänglich völlig instabile Füsse. Nach den ersten 10 km passierten wir eine enge Stelle zwischen dem nur 3 m tiefen Westteil und dem Mellamfjärden des Sees. Bei der Passage neben der Insel Björkön fanden wir Pfannkucheneis und später noch mühsamere Oberflächen vor. Mit den Langlaufstöcken konnte ich mich besser befördern. Nach einem sehr farbigen Sonnenuntergang erreichten wir um vier Uhr die Insel Vinön und liefen zum rot angestrichenen Holzhaus, welches Jan-Eriks Urgrossmutter erbaut haben soll. Am Ofen wärmten wir uns auf und assen bald darauf Teigwaren. Seine Schwester und Eltern kamen am Abend dazu. Uns wurde ein Zimmer angeboten und man redete noch lange oder spielte Karten. Um 22.20 Uhr ging ich mit Oberarm-Muskelkater ins Bett.

24. Dezember 2002

Zu sechst assen wir um neun Uhr Frühstück mit havregryn und filmjölk. Nach längerem beraten, entschlossen wir uns, auch bei -17 °C eisfischen zu gehen. Nördlich der Insel bohrten wir drei Löcher ins Eis, über einem Os, wo das Wasser nur 2-3 m tief war. Innerhalb einer halben Stunde hatten wir etwa 15 Fische mit der Hakenschnur herausgezogen, welche an der Luft gleich einfroren, bei mir hatte jedoch keiner angebissen. Meine Füsse hatten sehr kalt, so gingen wir wieder ins Haus. Am Nachmittag gab es Elch-Hackfleischplätzchen (von Jan-Eriks Vater geschossener Elch) zu essen. Um vier Uhr liefen wir zum nahen Haus von zwei Onkel von Jan-Erik, wo die Familie traditionell das Weihnachtsessen hatte. Zuerst gab es Safranbrot (süss) und Torte. Hauptgang war der Tisch mit Senfhering, Lachs, Aal, Fischgratin und Randensalat, nachträglich noch Fettwürstchen, Fleischkügelchen und zum Schluss Milchreis. Es war ein sehr gemütlicher und sättigender Abend bei den Süsswasser-Berufsfischern mit dem Elchgeweih an der Wand. Mit Jan-Erik redete ich später noch über Tromsø.

25. Dezember 2002

Der Morgen bei der freundlichen Familie begann mit einem gemütlichen Frühstück. Nathan und ich hatten unsere Geschenke aus der Schweiz unter den Weihnachtsbaum gelegt (inklusive 1.6 kg Schokolade). Gegen elf Uhr gab mir Jan-Erik den Schlüssel seiner neuen Wohnung in Stockholm und er begleitete uns zur Fähre. Die Fähre zum Festland (5 km, nach Hampetorp) fuhr durch eine Rinne mit schwimmenden, abgebrochenen Eisschollen und brach das Eis zum teil auch neu auf. Das Wetter war immer noch strahlend schön. Nathan und ich konnten mit einem Bus nach Örebro fahren. Via Västerås

reisten wir per Zug nach Stockholm. Im Internet-café am Bahnhof verbrachten wir eine Stunde und fuhren dann mit den Kickboards zur Folkskolegatan. Dort fanden wir die noch unmöblierte Einzimmerwohnung von Jan-Erik vor und drehten die Heizung auf. Am Abend spazierten wir an der zweitürmigen, hohen Kirche vorbei und den Schiffen am Ufer des Malären-Sees entlang. Als wir die Gamla stan durchquert hatten, machten wir einen Abstecher zum Wasa-Museum. Ein Buschauffeur nahm uns gratis mit zum Bahnhof. Am Rathaus vorbei und dem Nordufer entlang liefen wir zur hohen Bogenbrücke, die uns zur Wohnung zurück führte.

26. Dezember 2002

Um neun Uhr putzten wir die Wohnung mit Zeitungspapier. Den Schlüssel warfen wir in den Briefkasten. Auf der direktesten Route hatten wir 45 Minuten an den Bahnhof, wobei wir ein Stück weit neben den eingefrorenen Schiffen auf dem Eis liefen. Den Zug nahmen wir vorerst bis Gävle, dort stiegen wir in einen X2000 nach Sundsvall, wobei wir um halb drei Uhr die Sonne für die nächsten 5 Tage das letzte Mal sahen. Durch den borealen Nadelwald fuhren wir mit einem kurzen, roten Zug gegen Westen nach Östersund. Die Eisblitze der Stromabnehmer erleuchteten die weissen Tannen grellgrün. Bei etwa -18 °C liefen wir durch einige Abendgassen der Metropole auf 63°N und schauten die Kirche und das Skigebiet auf der anderen Seite des Sees an. Mit dem selben Zug und dem selben Kondukteur, der nebenbei auch Kioskverkäufer, Billetverkäufer und Gleisarbeiter spielte, fuhren wir nach Bräcke zurück. In diesem Dorf schrieb ich Tagebuch bis um halb elf Uhr, dann konnten wir in den Nachtzug nach Narvik einsteigen. Ich legte mich mit dem Schlafsack in die Gepäckablage unter den Sitzen, nachdem ich noch etwas zum Fenster hinaus geschaut und Marzipan gegessen hatte.

27. Dezember 2002

Nach fünf Stunden am Boden, schlief ich noch vier Stunden auf einem Dreiersitz. Ab Älvsbyn verfolgte ich das Geschehen draussen. In Kiruna testeten wir auf dem Perron die kalte Luft (ca. -20 °C), es wurde auch ziemlich hell, doch die Sonne reichte nicht über den Horizont hinaus. Bei Abisko und der Rikgsgränsen wurde die Landschaft mit den Hügeln und Wolkenlöchern richtig schön; die schneebedeckte Strasse und der ca. 550 m hohe Pass beeindruckte ebenfalls. Die Linienführung der Erzbahn nach Narvik hinunter genoss ich sehr. Im norwegischen Narvik hatten wir gleich Anschluss auf den Bus nach Tromsø. Während der über vier Stunden dauernden Fahrt war es nur bis Setermoen hell. Die Strasse war eisig oder weiss, aber den Chauffeur schien das nicht zu beeindrucken. In Buktamo gab es 25 Minuten Pause, um welche ein eisiger Wind wehte. Ab Nordkjosbotn kannte ich die Stecke von meine damaligen Velofahrten. Als wir um 17.30 Uhr in Tromsø ankamen, baute Nathan sein Kickboard von den Rädern auf Schlittenkufen um. Im Rema1000, dem einzigen Laden, der nicht geschlossen war, kauften wir Lebensmittel ein und liefen über die Brücke zur Wohnung von Urs, einem einstigen Institutskollegen, der zur Zeit in den Ferien war. Bei seinem Vermieter konnten wir die Schlüssel beziehen. Als erstes brieten wir Lachs und kochten Teigwaren. Später gingen wir etwas oberhalb im Wald spazieren um das Nordlicht (schwach grün) zu beobachten; auch am Meer waren wir noch, bis ich mich um halb zwölf Uhr schlafen legte.

28. Dezember 2002

Als wir aufstanden war es 9.45  Uhr; nach dem Frühstück (Kulturmelk, Brot und Sennepsild) lösten wir eine Tageskarte des Tromsbus und fuhren ins Zentrum. Wir nahmen den Bus Nr. 20 nach Kroken. Als wir den Ausblick genossen hatten, fuhren wir gleich zurück und blieben sitzen bis Ørndalen; wo wir meine ehemalige Wohnung anschauten und durch den Schnee auf den Gipfel Varden liefen (auf dem Weg, den ich damals in die Büsche geschnitten hatte). Von den 169 m ü.M. aus war es wunderschön in das „Mittagsrot“ im Süden zu schauen und alle meine Gipfel wiederzuerkennen. Den 42er Bus fuhren wir danach bis zur Endstation auf Kvaløya. Ich machte Fotos und wir fuhren über die 40 m hohe Brücke, am Flughafen vorbei und durch den Inseltunnel zum Polaria-Museum zurück. Dort drin schauten wir die Ausstellung  mit dem Artkis-Rundgang, den Filmen über Spitzbergen und die Seehund-Fütterung (bei der ich kälter hatte, als den ganzen Tag durch) an. Nach dem Grosseinkauf im Spar warteten wir auf den Bus Nr. 28 und fuhren ins Quartier Reinen. Lachs, Crevettensalat, Spaghetti und Salat gab es zum Nachtessen. Später schauten wir fern oder lasen in Büchern.

29. Dezember 2002

Um 7.10 standen wir auf, frühstückten, und kleideten uns warm ein. Unsere Tages-Schneewanderung starteten wir auf der Strasse durch Tromsdalen. Einer Schneescooter-Spur folgten wir das ganze Tal hinauf und den Hang am Svarthammaren gegen Westen zu einer bewohnten Hütte auf 514 m ü.M. Danach stapften wir bei -15 bis -20 °C und etwas Wind durch den Schnee, der verweht oder verhärtet war, man aber dennoch 50 cm tief einsank. Gegen Mittag erreichten wir den gipfel Rødryggen auf 776 m ü.M. Das Wetter war wieder wolkenlos und gegen Süden leuchtete der Himmel rot auf, leider war die Temperatur zu tief für den Akku meiner Kamera. Als wir uns noch wärmer angezogen hatten, probierte ich im Abstieg

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Tromsø Domkirche

 

 

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Polarlicht über Tromsø

gegen Westen Nathans Kufen-Kickboard aus, doch es eignete sich nicht bei diesem Schnee. Über die Ebene von Djupdalen kamen wir zum Gegenanstieg zur Sollidalsaksla. Der Abstieg durch das Sollidalen zog sich bis um zwei Uhr hin; der Wald am Schluss hatte auch seine Tücken. Auf der Strasse waren es dann noch 3 km bis zur Wohnung. Das Fazit dieser sieben­stündigen Wanderung waren 20 km Strecke (7 davon im Tiefschnee), 1000 m Aufstieg und zwei eingefrorene Zehenspitzen an meine Füssen. Ich war sehr erstaunt über die Frostschäden. Die elektrisch beheizbaren

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Skigebiet von Narvik

 

Socken hatten mit den kalten Batterien nicht funktioniert. Nach ein paar Stunden hatte sich die Hälfte der schwarzen Zehenoberfläche bereits wieder normalisiert, der Rest blieb rot angeschwollen und hatte für die nächsten 5 Tag eine irritiertes Tastgefühl. Später ruhten wir uns aus. Fischstäbchen assen wir um halb sieben Uhr.

30. Dezember 2002

Als erstes packten wir unsere Rucksäcke, dann putzten wir die Wohnung, liessen 1 kg Schokolade, Pralinen und Schweizer Spezialitäten als Dank zurück. Mit dem 28er Bus fuhren wir ins Zentrum. Auf der Fahrt nach Narvik war die Landschaft zwischen zehn und zwei Uhr genussvoll, sonst dunkel. Wir kauften noch ein, bis der Zug fuhr. Ab Kiruna waren wir um unserer Reservation froh. Ich versuchte so viel wie möglich von der dunklen Landschaft zu erkennen, oder wir spielten Schiffe versenken. Gegen Mitternacht versuchten wir auf den Sitzen zu schlafen, was meinem Rücken nicht so gefiel. Zwei Stunden verbrachte ich auf dem Boden unter den Sitzen.

31. Dezember 2002

Von Jörn (65°N bis Ljusdal (62°N) war ich geistig abwesend, die restliche Strecke der 17-Stunden-Fahrt im gleichen Zug verfolgte ich durchs Fenster. Wir reisten ab Gävle weiter nach Falun. Die 90 Minuten Wartezeit nutzte ich mit dem Spaziergang zum See, zum Stadtzentrum und druch die Shoppingcenter. Durch Wälder und an Seen vorbei fuhren wir über Borlänge, Ludvika und Kopparberg nach Örebro und weiter nach Hallsberg. Weil heute fahrplanmässig ein spezieller Tag ist, kamen wir nur noch bis Karlstad. Bei -13 °C liefen wir mit wenig Hoffnung 3 km zur Jugendherberge, die aber entgegen ihren eigenen Informationen geschlossen war. Nach einem wärmenden Zwischenhalt im Wartsaal suchten wir im unbelebten Stadtzentrum ein Hotel. Nach zwei Viersternehotel fanden wir das Hotel ibis, wo wir für 380 Kronen einquartierten. Von acht bis elf Uhr schauten wir fern oder spielten „Schiffe versenken“. Kurz vor Mitternacht gingen wir kurz auf die Strasse, um zu sehen, ob etwas los sei. Nach 50 m wurde ich von einem behämmerten Typen angerämpelt. Daraufhin verzichteten wir auf den Spaziergang, weil die übrigen Leute auch nicht mehr zurechnungsfähig waren. Die Direktübertragung der Silvesterfeier aus Stockholm im Fernseher war auch nicht schlecht. Bald nach dem Beginn des neuen Jahres, den wir mit der Neujahrslosung begannen, gingen wir ins Bett.

1. Januar 2003

Wie schliefen aus bis um halb elf Uhr. Später schauten wir fern oder spielten „Schiffe versenken“. Um ein Uhr verliessen wir das Hotel und schrieben im Wartsaal Tagebuch, bis der erste Zug nach Oslo eintraf; es war der X2000 um 14.24 Uhr. Via Arvika und Kongsvinger, über den zugefrorenen Fluss Glåma und durch den neuen, langen Tunnel erreichten wir Oslo. Zum Zeitvertrieb fuhren wir nach Drammen und zurück. Abendessen im McDonalds. Im Nachtzug nach Bergen richteten wir uns auf den Sitzen ein, noch bevor er um 23.11 Uhr abfuhr. Ich konnte nicht gut schlafen, bekam dafür von der achtstündigen Fahrt über Hønefoss und Myrdal immer wieder etwas mit, auch die Höhe (1215 m ü.M.) und die Kurven.

 

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Bergen im Winter

2. Januar 2003

Von sieben bis acht Uhr waren wir  in der Stadt Bergen, auch am alten Hansehafen. Als es noch dunkel war stiegen wir in den Bus nach Stavanger. Die 225 km auf der E39 begannen mit der hügeligen Fahrt über Osøro zum Fährhafen Halkjem. 50 Minuten dauerte die erste Fährfahrt, welche zwischen den kleinen und grossen Inseln den Bjørnafjord und den 60. Breitengrad überquerte. Auf der Insel Stord fuhren wir von Norden nach Süden, dabei schneite es. Nach einer 1077 m langen Hängebrücke kamen wir zur kleinen Insel Føyno, welche nur aus Verkehrsanlagen bestand. Mit einem 7820 m langen Tunnel unter dem Meer durch kam ich zu meinem tiefstgelegensten Punkt: 260,4 Meter unter dem Meeresspiegel. Durch die Gemeinde Sveio fuhr der Bus nach Haugesund. Auf der zerklüfteten Halbinsel ging es dem Forlandsfjord entlang, welchen die Strasse an einer engen Stelle überquerte. Mit drei Brücken gelangten wir zur Indel Bokn. Von der kargen Insel brachte uns eine Fähre während 25 Minuten über den 600 m tiefen Boknafjord. Von der nächsten Insel, Rennesøy, führte ein 133 m tiefer Tunnel auf Mosterøy, dann ein Brücke auf Sokn und ein letzter 5,8 km langer Tunnel 223 m tief unter dem Meer durch auf die Halbinsel von Stavanger. Nach 5,5 Stunden Busfahrt erreichten wir die viertgrösste Stadt Norwegens. Bei etwa null Grad stellten wir das Gepäck ein und liefen zum Hafen. Zuerst bestaunten wir das norwegische Ölmuseum von aussen, dann die Ölplattformbaustellen und die Buøy-Brücke im Hintergrund. Schliesslich besichtigten wir das moderne Museum mit den vielen

Modellen von innen. Später liefen wir an der alten Kirche und dem Stadtteich vorbei zu einem Rema1000-Laden und kauften Lebensmittel ein. Mit dem Zug um 15.38 Uhr fuhren wir nach Kristianssand. Unterwegs assen wir Sursild mit Brot, spielten „Schiffe versenken“ und beobachteten den kurzen Stromausfall und die vielen Tunnels. Um sieben Uhr gezogen wir eine Motel-Baracke gleich neben dem Bahnhof. Durch die quadratisch angelegten Strassen der Stadt lief ich noch.

3. Januar 2003

Um 7.30 Uhr wechselten wir vom Motel zum Terminal der Color Line und lösten Tickets für die Fähre nach Dänemark. Auf dem grossen Schiff, das Norwegen um 8.15 Uhr verliess, deponierten wir das Gepäck im Salon und erkundigten die Aussendecks. Als es hell wurde, sahen wir die Schäreninseln und weiter aussen die hohen Wellen. Auf den 130 km über den Skagerak wurden die Ostwindwellen für das Empfinden fast zu stark. Ich stapfte immer wieder durch das gefrorene Salzwasser auf dem Deck und hielt mich fest bei bis zu 100 km/h Wind. Die Fähre kam in Hirtshals um ein Uhr etwas zu spät an, so mussten wir 50 Minuten auf den nächsten Zug warten. Nach einer kurzen Fahrt stiegen wir in Hjøring und Århus um. Bei Fredericia wurde es dunkel und wir hatten Anschluss in Padborg. Zügig kamen wir nach Hamburg voran. Unter den Nachtzügen schien uns derjenige nach Passau am besten, denn wir wollten nicht zu früh aufstehen müssen und nicht vor 19.00 Uhr in die Schweiz einreisen (Nathan hatte ein Gleis-7-Billet) In den Interregiowagen dieses Nacht-ICs redeten wir und lasen. Als wir das Abteil für uns hatten, konnten wir bis Nürnberg schlafen.

4. Januar 2004

Mit dem fünften Nachtzug dieser Reise kamen wir nach Nürnberg und stiegen um nach München. Dort kauften wir ein, liefen etwas durch die Stadt und reisten mit vielen Skifahrern nach Garmisch-Patenkirchen. Danach ging es bei Seefeld auf 1200 m ü.M. und mit 3.5 % Steigung und vielen Haltestellen die felsige Rampe nach Innsbruck hinab. Guten Anschluss hatten wir nach Feldkirch. Mit Liechtenstein bekam diese Reise folgendes Fazit: 6 Länder, 5 Währungen, 15 Tage, 3 Übernachtungen selbst bezahlt, 10'000 km Fahrt (davon 150 km auf Fähren, 850 km in Bussen, der Rest mit Interrail. Um 19.01 Uhr reisten wir in Buchs in die Schweiz ein. In Zürich verabschiedeten wir uns und ich kam um zehn Uhr zu Hause in Oftringen an.